Torsten Hartmann

The year I finally beat FOMO

Gerade wollte ich anfangen, wie üblich meine Endjahreslisten zu verfassen, da fiel es mir wie Schuppen von den Augen:

My year in review: 2023 was the year I finally beat FOMO. And wow, this is so much easier now.

schrieb ich daraufhin aufgeregt bei Mastodon. FOMO, the fear of missing out, die Angst etwas zu verpassen, war immer ein großer Teil meines Alltags. Das war nicht nur oft sehr teuer, es machte meine Hobbies auch regelmäßig stressig. Was ich alles in einem Jahr spielen musste, damit mir ja nichts entging. Was ich alles gucken musste, damit ich mitreden konnte. Was ich alles an elektronischen Geräten kaufen musste, weil andere so entzückt darüber redeten.

Erst beim Anblick meiner Notizen, die festhielten, was ich das Jahr über gespielt, gelesen und geschaut habe, wurde mir klar, dass sich meine gesunde und rationale Scheißegal Einstellung, die ich mir über die Jahre für den beruflichen Alltag antrainiert habe, endlich auch bei meinen Hobbies Einzug gehalten hat.

Bereits am Anfang des Jahres machte sich das bemerkbar, nur gerafft hatte ich es da noch nicht. Rückblickend bin ich erstaunt, dass ich dieses Jahr mit Zelda nur ein einziges Vollpreisspiel gekauft habe. Ich war ja immer schon eher der Indiespieler, aber gerade Titel, die in aller Munde waren, musste ich irgendwann auch kaufen und anspielen. Und davon gab es in 2023 ja einige. Hier gilt mein Dank aber auch dem Game Pass, der stetig Nachschub an Spielen lieferte und unser Spielverhalten hier im Haushalt deutlich verändert hat. Und was natürlich auch dafür sorgte, dass einer der polarisierenden Titel dieses Jahres trotzdem von mir gespielt wurde, ohne, dass ich es extra erwerben musste: Starfield. Aber das war eine von wenigen Ausnahmen.

Auch die Jahresstatistiken der drei anderen Konsolen machten sehr deutlich klar, dass sich etwas verändert hatte. Die Switch spielte hauptsächlich Zelda ab. Die PlayStation blieb vollständig aus. Das Steam Deck sah, wie auch die Xbox, vor allem die üblichen Verdächtigen: No Man's Sky, Hitman, Astroneer und Elite. Die habe ich dafür auch wieder sehr viel und sehr lange gespielt.

Auch an der TV-Front hat sich ein lange erkennbarer Trend weiter fortgesetzt: Etwa alle 14 Tage habe ich einen Film geschaut. Gefühlt die Hälfte habe ich schon mehrfach gesehen. Wirklich Neues ist eher selten. Die normale Ausrede für diese Entwicklung ist ja, dass man keine Zeit hätte. Aber das ist bei mir nicht der Fall. Hier war der Grund eher, dass ich ja nie wusste ob ein neuer Film auch gut ist und ich daher öfter die Entscheidung fällte lieber etwas zu schauen, von dem ich weiß, dass es gut ist.

Im letzten Drittel des Jahres habe ich außerdem meine Präsenz in sozialen Medien noch einmal heruntergefahren. Außer einmal am Tag auf Mastodon bin ich nun kaum noch aktiv. Obwohl ich mir dort eine richtig tolle Timeline kuratiert habe. Eine aufmerksame Timeline postet aber nunmal auch die Fressen alter weißer Politiker, die sich wegen stetiger geistiger Umnachtung die NS-Zeiten zurückwünschen. Es ist wichtig, diese Entwicklung zu verfolgen. Aber das reicht auch einmal am Tag. Und das verhindert dann auch, dass ich mit neuen Infos zu Themen die mich interessieren in einer Taktung bedient werde, der ich nicht mehr nachkommen kann.

Das wäre eine ziemlich lange Einleitung, um jetzt zu sagen, dass ich keine Endjahreslisten mehr mache. Aber ganz so einfach ist das nicht. Ich hatte ja nach wie vor Spaß und wie bereits erwähnt auch nicht wenig davon. Nur mit der Quantität und eben auch mit der Aktualität ist es jetzt nicht mehr so weit her. Und ich liebe es, wie egal mir das gerade ist 🤗

#ansage