Torsten Hartmann

Ghostwire: Tokyo

Irgendwas hat mich zum Release davon abgehalten, Ghostwire: Tokyo zu spielen. Ich gehe mal davon aus, dass es was mit Spielen im Weltraum zu tun hatte. Dabei trifft das Werk von dem Entwicklerteam um Shinji Mikami im zweiten Anlauf gerade genau meinen Nerv: Das urbane Setting eines menschenleeren und von Geistern heimgesuchten Tokio, das ich nach Herzenslust relativ frei erkunden kann, hat eine dichte, wunderbar eigenartige Atmosphäre. Mit Hilfe von elementaren Attacken, die mein Alter Ego mit spirituellen Handbewegungen entfesselt, vermöbele ich kopflose Schulmädchen und gesichtslose Büroangestellte, bis ich deren Seelen sprichwörtlich und sehr befriedigend aus dem toten Körper ziehen kann.

Das hat einen tollen Flow und macht auch nach vielen Spielstunden noch sehr viel Spaß. Die festgehaltenen Seelen verstorbener Bewohner, die überall auf der großen Karte versteckt sind, kann ich über Telefonzellen ins Jenseits geleiten. Eine wunderbare Idee. Manche Seelen sind allerdings so ruhelos, dass ich erst kleine Aufgaben für sie erfüllen muss, damit sie endlich loslassen können. So entwickelt sich eine Liste stetig neuer Sekundärmissionen, damit mir ja nicht die Arbeit ausgeht.

Normalerweise reizt mich diese klassische Open World Formel so gar nicht mehr und ich habe viele solcher Spiele bereits nach einer halben Stunde direkt wieder weg gelegt. Meist, weil ich erst einmal 20 Minuten davon hinter irgendwelchen NPCs herlaufen musste, die mir in einem nicht enden wollenden Redefluss schnell mal eben die Welt erklären, bevor ich endlich frei darin herumlaufen kann.

Aber das wunderbar schräge Setting des von ektoplasmatischen Anomalien überzogenem Tokio lässt mich gerade nicht so leicht los. Und wenn der NPC, der dafür verantwortlich ist, mir die Welt zu erklären, praktischerweise vom Körper meiner Spielfigur Besitz ergriffen hat, laufen die Dialoge eben auch einfach parallel zum Erkunden ab, ohne dass ich immer wieder hinter jemandem herlaufen muss. Oder noch schlimmer: hinterher gehen muss.

Gefühlt bewege ich mich gerade zielstrebig auf das Finale von Ghostwire zu. Das will ich dann auch erst einmal erledigen, bevor ich mich daran mache, die Nebenaufgaben abzuarbeiten. Im positiven Sinne. Es wollen Oni besiegt, Yokai gefunden und Seelen über die Telefonleitung befreit werden.

#spiel