Torsten Hartmann

Ein ganz normaler Tag am Steam Deck

Ich möchte No Man's Sky auf dem Steam Deck spielen und die Raumschiffe einsammeln, die ich auf diversen anderen Plattformen in den letzten Tagen dort gefunden habe (wann kommen endlich Cross-Saves!?). Das funktioniert auch. Zehn Minuten lang. Freeze. Ich starte neu. Funktioniert wieder. Zehn Minuten lang. Freeze. Repeat.

Ich möchte Everspace 2 eine dritte Chance oder so geben. Nicht meins, weil es für mich zu wenig Sandbox im Weltraum ist. Nach zehn Minuten Freeze. Ich erkenne ein Muster. Das Internet sagt, ich solle doch mal die SD-Karte herausnehmen und wieder neu einsetzen. Habe ich gemacht. Natürlich nicht, ohne sie fachgerecht vorher ordentlich anzupusten und so mit einem schützenden Film meines Speichels zu bedecken. Bringt nichts. Das Internet sagt, ich solle das Spiel mal auf die interne SSD kopieren. Beide Spiele sind sehr groß und das Steam Deck hat trotz ausgelagertem Shader Cache die interne Platte längst so voll gemüllt, dass ich da nur noch 12 Gigabyte Platz habe. Yay.

Ich besinne mich auf Dinge, die ich im Laufe der kurzen Zeit, die ich nun Steam Deck Besitzer bin, regelmäßig im Netz gelesen habe. Von Leuten, bei denen etwas nicht funktionierte. Davon gibt es sehr viele, denn der Handheld ist halt einfach ein Linux Spiele-PC und das ist per se nicht optimal. Schuld ist sehr oft Proton, der Dienst, der Windowsspiele auf dem Deck unter Linux emuliert. Sie hielten das wahrscheinlich für eine gute Idee. Dabei habe ich gesehen, dass ich meine Spiele via Proton Experimental ausführe. Ein Maßnahme, die mir erst vor Kurzem bei einem anderen Problem geholfen hat. Experimente können aber auch mal schiefgehen. Also habe ich auf die letzte stabile Proton Version umgestellt. Und siehe da. Funktioniert. Everspace 2 läuft auch nach 30 Minuten noch, ist aber immer noch nicht meins.

Ich möchte daher Elite Dangerous spielen. Jetzt wird es wild. Ich starte das Spiel und es hat einen Launcher. Das ist nicht gut am Steam Deck. Elite und ich haben uns aber damit abgefunden. Bis heute. Der Launcher möchte erstmal ein Upgrade ziehen. Okay. Zehn Minuten. Fertig aktualisiert, erkenne ich, dass das nicht mein neues Frontier Konto ist, das meinen PlayStation Spielstand auf den PC überführt hat. Damals, als die zwei Leute, die noch an Elite arbeiten, zu David Braben gesagt haben, dass sie es nicht mehr schaffen, weiterhin auch die Konsolenfassung aktuell zu halten, wenn sie ihm weiterhin vier Mal am Tag Kaffee und Schnittchen ins Büro bringen müssen. Braben hat entsprechend gehandelt und die Konsolenfassung eingestellt. Mit einem Schnittchen in der linken und einem Kaffee in der rechten Hand.

Ich klicke also auf die Kontoeinstellungen und werde aufgefordert meine Kontodaten einzugeben. Funktioniert aber nicht. Auch nach gefühlt zehn Versuchen. Ich starte Elite neu. Jetzt ist es aktualisiert und beim Klick auf Log In kommt eine ganz andere Maske und die erkennt meine Kontodaten auf Anhieb. Elite startet. Und führt einen Hardwaretest durch. Der kommt nach dem ersten Start. Ich werde nervös. Im Titelbild erkenne ich zumindest mein Alter Ego wieder und Doppelelite bin ich auch noch. Ich starte und hebe ab. Fuck. Die Tastenbelegung ist zurückgesetzt. Bei Elite ist das ein Scheidungsgrund. Eine Viertelstunde später ist das Wichtigste grob wieder hergestellt. Außerdem finde ich durch Zufall eine Einstellung, wie das Spiel plötzlich richtig gut auf den Steam Deck aussieht und ich sogar kleinen Text lesen kann (FSR: Normal, Supersampling: 1.25x). Verrückt.

Ich fliege nach Robio, weil ich dort die nächsten Tage ein paar Touristen für sehr viel Geld hin- und herfliegen möchte. Nach ein paar Minuten brauche ich aber erstmal eine Pause von den bisherigen Ereignissen des Tages.

Am Steam Deck startet ein Download: Ein Proton Hotfix.

Ich weiß plötzlich wieder, warum ich Konsolenspieler bin.

#hardware