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Gungrave G.O.R.E.

Es gibt nicht viel, was ein guter Gungrave Titel braucht: Der erste Teil der Serie hat das optimal erfüllt: Ein Third Person Shooter mit einer Handvoll Level, in denen viel zerstört werden kann. Ein Protagonist wie ein Panzer, der den gegnerischen Kugeln nicht ausweichen muss, sondern sie einfach bis zu einem gewissen Grad absorbiert. Eine überragende Feuerkraft, die Gegner im Sekundentakt vom Bildschirm fegt. Der Grundgedanke von Gungrave war weniger das Überleben, als dies mit Style zu tun: lärmendes Dauerfeuer, Hechtsprünge in (optionaler) Zeitlupe und hier und dort mal einen Supermove, der mit einer schönen Animation ganze Scharen von Widersachern erledigt. Wer das Ganze mit Sternchen machen will, versucht das Beatmeter, den Kombozähler hochzuhalten, in dem zwischen zwei Angriffswellen auf Gegenstände in der Umgebung geschossen wird. Dazu ein jazziger Soundtrack und eine zweckmäßige aber hübsche Cel Shading Optik. Es war und ist ein toller Arcade Titel.

Zwanzig Jahre, einen überflüssigen zweiten Teil und ein paar VR Experimente später, erscheint heute Gungrave G.O.R.E. Ein Spiel, das schon im Titel die Feinfühligkeit der Produktion erahnen lässt. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Dann aber doch oft auch sehr qualvoll. Es ist ein Elend.

Dabei hätte es echt etwas werden können. Das Gunplay in G.O.R.E. fühlt sich richtig gut an und das Auto Aim, das bis zu einer bestimmten Distanz funktioniert und temporär durch Nebelgranaten der Gegner ausgeschaltet werden kann, ist direkt eine tolle und moderne Idee. Auch die Optik ist gar nicht mal so schlecht. Klar hätte ich lieber wieder Cel Shading gesehen aber sowas ist heutzutage wahrscheinlich eher schwierig finanziell zu rechtfertigen. Auch explodiert wieder allerlei Kram in der Umgebung und erzeugt ein gutes Gefühl brachialer Zerstörung.

Leider ist brachial auch genau das, was überall sonst bei Gungrave G.O.R.E. zum Einsatz kommt. Gegner werden oft ohne Sinn und Verstand aus einem unsichtbaren Eimer aus der Luft auf den Spieler geworfen. Und das hinter jeder Ecke. Es gibt sogar ab und an schlechte Sprung Passagen und Laserschranken, ohne dass Gungrave G.O.R.E. dafür überhaupt optimierte Mechaniken mitbringen würde, um so etwas halbwegs elegant meistern zu können. Dass Versagen in diesen Momenten dann immer den sofortigen Tod und einen Neustart vom letzten Rücksetzpunkt bedeutet, der natürlich gerne einmal vor einer Zwischensequenz liegt, macht die Sache nicht unbedingt erträglicher.

Da helfen auch nicht die zig neuen Mechaniken wie ein Chargeschuss oder eine Dreierkombination, mit der Gegner, die einen Schild tragen, erst einmal von selbigem befreit werden müssen, bevor sie endgültig besiegt werden können. Letztere kann mit Stylepunkten für schöne Aktionen zwar mehrfach ausgebaut werden, ist im Grunde aber immer der selbe Angriff, der vor allem eins macht: den Spielfluss unterbrechen. Und diese Gegner kommen einfach viel zu oft.

Dass dieses Spiel auch noch auf 31 Abschnitte gestreckt wurde (ich wiederhole: einunddreißig Abschnitte!), die oft die gleichen Objekte nutzen und sich auch im Gesamtstil gerne mal gleichen, stellt dann auch die größten Fans auf eine sehr harte Probe. Irgendwie ist alles an Gungrave G.O.R.E eine einzige Aneinanderreihung von Wiederholungen, ohne dass sich auch nur einen Hauch Level Design ausmachen lässt.

Dabei gibt es eine Handvoll Level, die wirklich Spaß machen. Hätte man hier eine kleinere Auswahl getroffen und den Fokus wieder auf den Wiederspielwert gelegt, hätte Gungrave zwar keine Höchstnoten eingefahren, sich aber gut im Mittelfeld positionieren können.

Besonders schlimm ist, dass viele dieser Punkte bereits im zweiten Teil Gungrave Overdose (ebenfalls ein Name, der Programm war) kritisiert wurden. Und dort gab es wenigstens noch Rocketbilly Redcadillac, der mit Gitarre und Raiden Blitzen um sich geschossen hat und eine so frische Idee war, dass man gerne ein paar Runden mit ihm gespielt hat. Egal wie schlecht der Rest war.

Ich wollte keine Verrisse mehr schreiben, bin aber ein sehr großer Gungrave Fan und halte es für meine Pflicht euch mitzuteilen, dass die Brille hier ganz schön rosa sein muss, um diesem Titel etwas abgewinnen zu können.

Parallel zu diesem Texthäppchen habe ich übrigens auch mit Micha vom Insert Moin Podcast schön nerdig über Gungrave sprechen dürfen, was dann wieder sehr viel Spaß gemacht hat.

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