Ippon: Samurai Shodown Sen (Xbox 360)

SNK Playmore sind so ein bisschen wie Dr. West aus dem Film “Re-Animator”. Immer wieder versuchen sie, Totes zum Leben zu erwecken und meistens geht es irgendwie schief. Jüngstes Opfer auf dem OP-Tisch der Nekromanten: Samurai Shodown. Doch Obacht! Nicht alles an Samurai Shodown Sen ist bloße Leichenschändung.

Samurai Shodown. Das stand immer für einen bunt zusammengemischten Haufen illustrer Recken aus aller Welt, die sich mit Waffen gegenseitig die Schädel eingeschlagen haben, während literweise unrealistische Fontänen von Blut, blinkende Specials und unzählige weitere Animationen den Bildschirm füllen. Auf dem Neo-Geo. Irgendwann wurde die Hardware dann gewechselt, aus dem stylischen Prügler wurden zwei recht interessante aber technisch völlig zurückgebliebene Hyper-Neo-Geo Varianten und zwei abgrundtief hässliche Ableger für Playstation Eins und Zwei. Puh. Und als auch die letzten Freunde der Serie alle Daumen drückten und die geliebte Serie endlich zu Grabe getragen sahen, kam plötzlich von irgendwo her ein weiterer Teil für die Spielhalle heraus. Von K-2, einem Team das ich persönlich sehr liebe, wobei man mir aber einen gewissen Hang zum Trash nicht absprechen kann. Dementsprechend zurückhaltend waren die Erwartungen. Jetzt ist der in der Spielhalle auf USK 6 beschnittene Prügler in Europa für die Xbox360 erschienen. Erstmals ungeschnitten, vom restlichen Umfang her aber genau so arm wie das Original aus der Spielhalle.

Ehrlich gesagt: Samurai Sen für mehr als 30 Euro zu kaufen, bescheinigt einem nicht gerade einen gesunden Menschenverstand. Eigentlich wäre die Preiskategorie eines Live-Arcade Spiels sogar das höchste der Gefühle, ist man kein Fan der Serie. Es ist schon fast eine Kunst, mit welcher Geschmeidigkeit sich die Entwickler der Umsetzung abgesehen vom Online-Modus an allem vorbeigeschlichen haben, was nur ansatzweise die Worte “Extra”, “Special” oder “Bonus” birgt. Bei Sen gibt es abgesehen von Erfolgen nichts, aber auch gar nichts, für das es sich lohnen würde, den Story-Modus durchzuspielen. Am Ende lesen wir in langweiligen Lettern die Geschichte unseres Helden. Mehr als Text, etwa Bilder oder gar einen Film gibt es nicht. Nochmal Puh. Was angesichts der finanziellen Lage der Spielhallen dieser Welt bei der Arcade-Version plausibel erscheint, ruft bei einer Umsetzung und der damit verbundenen (rein materiellen, nicht etwa qualitativen) Eingliederung in die Ränge der Soul Calibur, Tekken und Virtua Fighter dieser Welt nur noch ungläubiges Kopfschütteln hervor.

Und dennoch: wer sich auf Samurai Shodown Sen einlässt, kann erkennen, dass sich K-2 wirklich Mühe gegeben haben und in Anbetracht eines sicherlich minimalen Budgets vielleicht sogar ein klitzekleines Wunder vollbracht haben. Sen spielt sich überraschend gut. Spezialbewegungen lassen sich mühelos mittels Knopfkombinationen auf dem 360 Pad ausführen und besonders starke Treffer, die bis zu einem Drittel gegnerische Lebensenergie rauben, sorgen dank Perspektivenwechsel für eine gelungene Choreografie. Die kunterbunten Attacken der Vorgänger wurden heruntergefahren und nur noch selten brennt, blitzt oder fliegt überhaupt etwas. Der Trend geht zu kurzen aber präzisen Kombination über die Tasten und hier und dort vielleicht mal eine gedrückte Richtung. Ohne viel Tiefgang aber gegen menschliche Gegner aufgrund der soliden Technik durchaus fesselnd.

Und wenn am Ende eines Matches eine Hand oder gar der Kopf in Richtung Kamera rollt, der Name unseres Recken auf dem Bildschirm erscheint und dieser in stolzer Pose da steht, ist es ein ganz klein bisschen wieder da: das Samurai Shodown Gefühl. Und mit Takechiyo gibts quasi einen Amano aus “The Last Blade 2″ dazu. In einem Samurai Shodown. Na wenn das nichts ist. Immerhin.

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Über Torsten

Kind im Mann, Videospieler, Liebhaber von Filmen im Originalton, Grob- und Feinschmecker, Vater.

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