Film: The King of Kong (DVD)

Im Jahr 1982 setzte der Videospieler Billy Mitchell seinen ersten Weltrekord in Donkey Kong. Der Rekord, der über zwanzig Jahre nicht gebrochen werden sollte, hat nicht nur Mitchells Ego gewaltig aufgepumpt, er reizte auch viele Spieler, die scheinbar unerreichbare Highscore zu knacken. Einer von ihnen war der Wissenschaftslehrer Steve Wiebe, dem es nach langem und intensiven Training gelang, den Rekord zu brechen. Zwischen Wiebe und Mitchell brach daraufhin einer der größten kalten Kriege im Bereich des professionellen Videospielens aus. 2007 kam der Dokumentarfilm The King of Kong in die Kinos und brachte die herrlich verrückte Geschichte um konkurrierendes Viedeospielen erstmals der breiten Öffentlichkeit näher.

Der Film erzählt die wahre Gesichte von Menschen, die Videospiele leben. Und das fängt in einer Zeit in den Achtzigern an, die Seiten des Genres zeigt, die langsam aber sicher in Vergessenheit zu geraten drohen. Eine Zeit, in der man sich vor 8-Bit Spielautomaten getroffen hat und um das einzige kämpfte, was zählte: die Punktzahl.

Die in den Fünfziger Jahren eröffnetet Spielhalle Funspot in New Hampshire erkennt in den Achtzigern das Potential der Videospiele und organisiert erste Wettbewerbe, schreibt Zertifikate für besondere Spielerfolge aus und kürt die besten Videospieler. Unter ihnen Billy Mitchell, der unter anderem den Rekord im besagten Donkey Kong erspielte. Mitchell lebt seine Rolle als Rekordhalter voll aus. Während man hierzulande noch heute selbst als Spieler darüber streitet, ob die E-Sport-Szene nun wirklich Sport ist, waren Mitchell und seine Freunde damals bereits Sportler. Und Helden. Zumindest für die, die ihre Interessen teilten.

Mit Steve Wiebe betritt das genaue Gegenteil von Mitchells Persönlichkeit dessen Leben. Der zurückhaltende Lehrer hat sich vorgenommen, Mitchells Rekord zu brechen, was ihm zunächst auch für einen kurzen Moment gelingt. Der Konkurrenzkampf bricht aus, zeigt die extremsten Seiten beider Spieler und gipfelt in einem dramaturgisch wie emotional schwer überzeichneten Finale.

Denn Seth Gordons Film zeigt klar auf, wer hier der Gute und wer der Böse sein soll. Das ist aber nicht weiter schlimm, unterstreicht es doch die immer spannende, aber selbst für eingefleischte Videospieler teilweise abwegige Geschichte um die Jagd nach der Highscore noch. Und Mitchell, wie auch Wiebe, spielen dabei perfekt mit. Sie zeigen sich so, wie es am besten ins Bild passt. Der eine überzogen selbstbewusst, immer am Rande des gerade noch so erträglichen und der andere fürsorglich, familiär und zurückhaltend. Die Rollen sind klar verteilt, wie im klassischen Kino. Oder eben in Videospielen.

Und genau das macht den Charakter des Films aus. Es ist keine Dokumentation, die uns etwas beweisen oder lehren will. Es geht einzig und allein um kompetitives Videospielen. Der Grund, warum Videospiele irgendwann mal erfunden wurden.

Am Ende ist der Held nur im Film ein triumphierender. Denn beinahe zeitgleich mit der Uraufführung von The King of Kong in den Staaten, am 26. Juli 2007, schlägt einer von beiden den vom anderen am Ende des Films gesetzten Weltrekord um 1100 Punkte. Die Highscore von Donkey Kong beträgt seitdem 1,050,200 Punkte.

The King of Kong ist derzeit nur als US- und UK-DVD erhältlich.

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Über Torsten

Kind im Mann, Videospieler, Liebhaber von Filmen im Originalton, Grob- und Feinschmecker, Vater.

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