Film: Sukiyaki Western Django (Kino)

Der Grat zwischen Western und Samuraifilm ist gleichermaßen schmal wie weit. Trotz zweier Kulturen, die unterschiedlicher nicht sein können, fanden großartige Westernklassiker wie Die Glorreichen Sieben oder Eine Handvoll Dollar ihren Ursprung in den Werken Akira Kurosawas. Experimente, beide Genre zu vermischen, sind rar gesät. Soleil Rouge (Rivalen unter roter Sonne) mit Charles Bronson und Toshiro Mifune hat es einmal versucht. Die Begeisterung seitens der Western- und Chambarafreunde hielt sich in Grenzen. Da hatte es Takashi Miike schon einfacher. Wenn man partout keinen Regeln gehorcht, bietet eine solche pikante Ausgangssituation genau den richtigen Nährboden für einen kleines Meisterwerk. Und so schuf Miike auf einmalige Weise den ersten japanischen Spaghetti Western. Nein, den ersten Sukiyaki Western, sinnvollerweise nach einem japanischen Eintopf benannt …

Die Geschichte vermischt, wie das Projekt an sich, klassische Elemente des Westerns mit denen japanischer Filme á la Yojimbo. In der japanischen Version Nevadas liegt ein kleines Dorf, dessen Einwohner von zwei rivalisierenden Banden, den Genji und den Heike, nahezu ausgerottet wurden. Eines Tages taucht in dem Ort der klischeebehaftete namenlose Fremde auf, der dort zwar nichts verloren hat, sich aber trotzdem dem Schicksal des kleinen Jungen Heihachi annimmt. Dessen Vater wurde von den Heike getötet, woraufhin seine Mutter fortan als Prostituierte im Saloon der Genji arbeitete.

Nachdem sich der Fremde Heihachis Mutter nach einen zünftigen Prügelei für die Nacht verdient hat, erfährt er von ihr, dass die Genji eine Spezialwaffe erwarten, mit der sie vorhaben, die Heike ein für alle Mal auszulöschen. Eine Information, die sie auch dem von einer gespaltenen Persönlichkeit geplagten Sheriff zukommen lässt. Von da an läuft alles schief und der Leichenzähler beginnt unaufhaltsam anzusteigen und erreicht seinen Zenit, wenn beide Banden auf die zahlreichen weiteren, teilweise sehr wandlungsfähigen, Hauptcharaktere treffen und sich mit Blei bis aufs Blut bekämpfen.

Miike hat einen Film geschaffen, der optisch detailliert japanische und Wild West Elemente vermischt, vollgestopft ist mit jedem noch so ausgelutschten Western Klischee und obendrein mit einer Überdosis schaler Genrephrasen in gebrochenem Englisch aufwartet. Die schrillen Charaktere passen super in das Szenario, und Komik, Tragödie als auch Gewalt verstehen es, den Zuschauer auf ihre extreme Weise ein ums andere mal zu überraschen. Das Wunder an der Sache ist, dass unterm Strich alles funktioniert. Klar kann man den hier und dort arg überspannten Bogen der Dramaturgie oder die Gewaltszenen, die so stark im Kontrast zum überwiegenden Humor stehen, bemängeln, aber letztendlich muss man sich eingestehen, dass dieser Film keine Regeln befolgt und im ganzen betrachtet einfach sehr gut damit fährt.

Miike gelangen weiterhin einige ästhetisch sehr ansprechende Bilder. Die angereicherten Chambara-Kulissen mit westlichen Elementen wie Windrädern oder Wasserbassins machen dabei einen genauso guten Eindruck wie die künstlichen Pappkulissen in den Retrospektiven und der audiovisuell famose Showdown in Weiß. Natürlich muss man für einen solchen Film extrem offen sein. Diese Offenheit wird dafür aber mit einem unvergleichlichen Filmerlebnis belohnt, welches man in dieser Art wohl so schnell nicht wieder sehen wird. Abschliessend sei noch erwähnt, dass ich mit der Tonspur des Films keine Probleme hatte. Die im Internet kursierende Meinung, man würde das akzentreiche Englisch der japanischen Schauspieler nur schwer und teilweise gar nicht verstehen, kann ich nicht bestätigen. Im Gegenteil, sie sprechen langsam und je nach Person sogar relativ deutlich.

Dass Quentin Tarantino eine recht große Gastrolle in diesem Film übernommen hat, dürfte sich ja bereits rumgesprochen haben, allerdings meine ich auch Meister Miike selber, in der Rolle des trompetespielenden Indianers, ausgemacht zu haben.

Sukiyaki Western Django ist derzeit nur in Japan als Blu-Ray, DVD und kostspielige DVD Special Edition erhältlich.

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Über Torsten Hartmann

Kind im Mann, Videospieler, Liebhaber von Filmen im Originalton, Grob- und Feinschmecker, Vater.

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