Lange Zeit habe ich mich mit TV-Serien schwer getan. Nicht aus Prinzip, sondern aus Mangel an Qualität. Das änderte sich mit Coupling und so langsam wird klar, dass es die Briten sind, die mir ein ums andere Mal tolle Momente mit ihren Serien bescheren. Leider erst vor kurzem bin ich bei meiner Recherche über die Zusammenarbeit von Simon Pegg, Nick Frost und Edgar Wright (alle drei Shawn of the Dead und Hot Fuzz) auf deren Werk Spaced aus dem Jahre 1999 gestossen. Edgar Wright führte hier Regie und Simon Pegg und Jessica Hynes zeichnen sich für Hauptrollen und Story verantwortlich.
Die beiden Mittzwanziger Daisy (Jessica Hynes) und Tim (Simon Pegg) geben sich, nachdem die Beziehungen zu ihrem jeweiligen Ex-Partner in die Brüche ging, als Paar aus, um an eine günstige Wohnung in der 23 Meteor Street zu gelangen. Fortan teilen sie sich die vier Wände und damit unweigerlich auch ihr Leben. Daisy ist eine erwerbslose Autorin, immer auf der Suche nach einer Eingebung für einen neuen Text und einem Job. Tim, bis dato unentdeckter Comiczeichner, arbeitet bis auf einige Unterbrechungen beim Fantasy Bazaar, einem örtlichen Comic- und Merchandiseladen und verbringt seine Freizeit am liebsten mit dem Zeichnen, dem Skateboard (weil es schneller ist als laufen), seinem Freund Mike (Nick Frost) und seiner Playstation.
Weitere Bewohner des Hauses sind der im Umgang mit seinen Mitmenschen etwas unsichere Brian, ein Liebhaber extremer Kunst und den ebenfalls extremen Möglichkeiten, diese her- und zur Schau zu stellen und die Vermieterin Marsha, immer mit einer Zigarette im Mund, die ihre Freizeit in erster Linie dem Alkohol widmet. Regelmässiger Besucher in der ersten Staffel und ebenfalls Untermieter in der darauf folgenden Staffel ist Tims Freund Mike (Nick Frost). Aufgrund eines Unfalls in der Kindheit durfte der Hobbysoldat später nicht der Armee beitreten. Ein weiterer Zwischenfall, bei dem Mike mit einem gestohlenem Panzer Paris erobern wollte und nur Disneyland Europa ihn davon abhalten konnte, sorgte dafür, dass er später auch aus der Reserve Armee flog.
Während Tims lockerere Art und Weise in den Tag hineinzuleben erstaunlich gut funktioniert und ihn lediglich sein Wunsch nach einer Anstellung als Comiczeichner und seiner Ex-Freundin Sarah gelegentlich aus der Bahn werfen, sind es die Interaktionen mit Daisy, die regelmässig dazu führen, dass es im Alltag der beiden zu Hindernissen, Konflikten und gelegentlich eingeworfenen Notfallplänen kommt. Denn bis auf die Tatsache, das beide regelmässig dem Marihuana frönen, haben sie eigentlich nichts gemeinsam.
Und so begleitet der Zuschauer die wunderbar inszenierten Charaktere bei alltäglichen Szenen der Generation X, wenn sie auf Arbeitssuche sind, wenn sie Trost wegen der verflossenen Liebe suchen oder wenn es gilt, den entführten WG-Hund aus einem Tierlabor zu retten. Inklusive Star Wars Decknamen.
Und das ist der Punkt, der Spaced zu einer so ungewöhnlich guten Produktion macht. Neben den unglaublich guten Darstellern sind es nämlich die allgegenwärtigen Hommagen an Comics, TV-Serien, Musik, Videospielen und Filmen, die das ganze so erfrischend anders wirken lassen. Wenn Tim die ganze Nacht auf Drogen Resident Evil zockt und am nächsten Tag auf einer Vernissage von Brians Rivalen die Gang vor einer Horde Zombis, inklusive passender Spielzitate rettet, wenn er und Mike an einer Ampel tote Menschen sehen oder wenn depressiv zum Skywalker Thema sämtliches Star Wars Merchandise verbrannt wird, weil Star Wars Episode Eins so schlecht war, dann sind das Momente bei denen man sich kaum halten kann. Denn das alles wird nicht etwa auf der qualitativ niedrigen Ebene eines Fantastic-, Epic- oder was-weiss-ich-Movie veranstaltet sondern mit intelligentem Witz. Auch der dynamische Schnitt der Serie, der oft Realität und audiovisuell dargestellte, gedankliche Ausraster oder emotionale Höhenflüge der Akteure vermischt sorgt für freudige Abwechslung und Frische.
Leider wurden von dieser Serie nur 14 Episoden in zwei Staffeln produziert. Simon Pegg liess in einem Interview aber verlauten, dass er sehr gerne eine weitere, einstündige Folge machen würde, um abschliessend alle offenen Fragen und Storystränge in Spaced zu beantworten. Man darf gespannt sein, auf das, was uns Edgar Wright, Simon Pegg, Nick Frost und hoffentlich auch Jessica Hynes in Zukunft noch alles bescheren, denn hier hat sich eine Gruppe Menschen gefunden, die den Begriff Comedy neu definiert hat.
Spaced ist unter anderem als UK 3-Disc Definitive Edition DVD zu haben. Neben englischen Untertiteln für Schwerhörige bietet diese einen weiteren Satz Untertitel, dem so genannten Homage-O-Meter, das alle Werke identifiziert, auf die die Serie gerade anspielt.
Traurig aber wahr: 2008 wurde die Re-Produktion von Spaced in den USA mit amerikanischen Darstellern begonnen. Ob das wirklich sein muss, wage ich zu bezweifeln.
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Das US Remake wurde zum Glück schon wieder eingemottet.