Videospiel: LEGO Indiana Jones (Xbox 360)

LEGO Indiana Jones

Im Jahr 2005 kam mit LEGO Star Wars das erste Videospiel der ungemein lohnenden LEGO/Star Wars Kooperation, auf den Markt. Dem Entwickler Travellers Tale gelang dabei eine kleine Revolution. Fans der Star Wars und LEGO Marken bekamen ein grundsolides Action Adventure, welches nicht nur ungemein gut zugänglich war, sondern auch noch komplett mit einem Freund im Ko-Op Modus absolviert werden konnte. Und das alles ohne Frust, denn der Schwierigkeitsgrad war humaner als das rote Kreuz. Die Charaktere alleine und die Möglichkeit, mit ihnen die ach so beliebten und bekannten Szenen der Star Wars Filme nachzuspielen, machten den Reiz aus. Herausforderungen brauchte es da kaum noch. Ein voller Erfolg. Da war natürlich klar, dass es nicht bei der Star Wars Lizenz bleiben würde, denn Lego hat noch mehr Potential zu bieten.

Und bevor wir uns demnächst am dritten Franchise der Serie, LEGO Batman, erfreuen dürfen, ist die Tage endlich LEGO Indiana Jones herausgekommen. Einerseits sind die Ansprüche niedrig, da viele wohl mit dem bewährten Prinzip der Star Wars Teile zufrieden zu stellen sind, andererseits durfte man ruhig mal leise hoffen, dass es nicht bloss das selbe Spiel mit einem anderen Setting werden würde. Um letzteres vorwegzunehmen: Travellers Tale haben sich offensichtlich viele Gedanken gemacht und so sind einige sehr nette Neuerungen in das finale Produkt hineingekommen, sodass sich die beiden Serien auch vom Spielablauf her unterscheiden.

LEGO Indiana Jones

Nachgespielt werden dürfen die ersten drei Indy-Filme mit jeweils sechs sehr ausgedehnten Leveln. In Raiders of the Lost Arc seid ihr auf der Suche nach der Bundeslade, in Temple of Doom schlagen sich Indy und Co. mit den Kali-Priestern herum und in The Last Crusade versucht ihr euch den heiligen Gral unter den Nagel zu reissen. Alles leichter gesagt als getan, denn ihr seid natürlich nicht die einzigen Schatzsucher und oftmals wollen die antiken Stücke von ihren rechtmässigen Besitzern nur ungern freigegeben werden. Jedes Level darf zuerst nur mit den dafür vorgesehen Charakteren im Storymodus gespielt werden. Nach einmaligem Abschluss einer Mission ist es möglich, diese mit einer Auswahl an diversen Charakteren im Freeplay Modus zu spielen.

Und so macht ihr euch, immer zu zweit (zweiter Spieler oder CPU) auf den langen Weg. Ihr schlagt euch durch Wälder, Sümpfe und Wüsten, die in einer Mischung aus putziger Grafik und LEGO Baumaterial bestehen. Zur famosen Musik aus der Feder John Williams gilt es Fallen zu umgehen, eine Vielzahl von Schalter- und Zahnradrätsel zu lösen, und natürlich Widersacher in die ewigen Jagdgründe zu befördern.

Zu letzterem stehen euch dieses mal nicht nur die eigenen Waffen, die der Charakter eurer Wahl mit ins Spiel bringt, zur Verfügung, sondern auch die der erledigten Gegner. Natürlich liegen einige Waffen auch traditionell in Kisten versteckt herum. Oder ihr bedient euch bei außer Gefecht gesetzten Fallen. So reicht das Arsenal von Speeren, Schwertern, einer Armbrust, einem kleinen Revolver, über Gewehre bis hin zum Raketenwerfer. Natürlich darf auch Indys Peitsche nicht fehlen. Die ist allerdings primär nicht zum Entledigen von Gegnern, sondern eher zum Schwingen an dafür vorgesehenen Punkten und dem Lösen von Rätseln, gedacht.

LEGO Indiana Jones

Wie Indys Peitsche gibt es auch weitere Werkzeuge, die an bestimmten Stellen im Spiel zum Einsatz gebracht werden können. Verschiedene Charaktergruppen tragen verschiedene Werkzeuge bei sich. Wie die Waffen, können alle leerausgegangenen Figuren diese aber in der Umgebung finden oder von gefallenen Gegnern bergen. So ist ein Schraubenschlüssel, den natürlich die Mechaniker bei sich tragen, nötig, um kaputte Maschinen, Autos und Flugzeuge wieder in Gang zu setzen. Archäologen haben ein Handbuch dabei, mit dem man Hieroglyphen-Rätsel lösen kann und die Assistenten tragen eine Schaufel auf dem Rücken, mit der allerhand Schätze aus dem Boden gehoben werden können.

Das alles läuft auf den eigentlich größten Unterschied zum Star Wars Vorgänger hinaus: die Rätselvielfalt. Klar, das ist es ja auch, was die Filme ausmacht. Und es gefällt. Einiges davon könnte man sogar als recht happig bezeichnen. Und so ist LEGO Indiana Jones plötzlich nicht mehr ganz so das Spiel, dass man mal eben ohne überlegen zu müssen, im Schlaf durchspielt. Zumindest gemessen am Standard der Vorgänger. Ein klarer Vorteil.

Natürlich richtet sich das Spiel nach wie vor hauptsächlich an Casualspieler. So könnt ihr immer noch kein Leben verlieren und fangt nach Stürzen oder tödlichen Treffern immer wieder an Ort und Stelle mit voller Lebensenergie an. Tödliche Treffer gibt es übrigens zahlreiche. Feindlicher Bazookabeschuss oder Körperkontakt mit Fallen hat bei LEGO Indiana Jones den sofortigen Tod zur Folge. Da kann schon mal ein wenig Frust aufkommen. Auch, wenn es gerade mal wieder etwas hektisch wird, weil beim Erkunden der Umgebung störende Feindgeschwader im aktuellen Abschnitt nach dem Ableben partout immer wieder auftauchen. Ebenso erfordert das Spiel viel Sprunggeschick, was bei der undynamischen Weitwinkel-Kameraperspektive so manches mal zu einem Aufschrei der Verzweiflung führen kann. Trotz unendlichem Vorrats an Leben.

Auffällig ist das leicht bessere Verhalten der computergesteuerten Mitspieler. Es fühlt sich an, als würden sich diese jetzt mehr auf das Wohl der Mitspieler konzentrieren, wenn das Feindaufkommen gerade etwas höher ist und ihr an Mechanismen herumbastelt oder Schalter drückt. Beim Absolvieren von Rätseln, die zwei oder mehr Charaktere benötigen, ist aber wie immer genaueste Planung nötig, damit der Partner, der eigentlich irgendwo auf einer Plattform stehen sollte, nicht plötzlich wieder ahnungslos neben euch steht, wenn ihr diese aktiviert.

LEGO Indiana Jones

Es wäre kein Indiana Jones Spiel, wenn es nicht auch noch Unmengen von Schätzen zu finden gäbe. Und so sind in jedem Level zehn Schatztruhen versteckt. Das Äquivalent zu den Kanistern in den LEGO Star Wars Spielen. Auch hier hat man das Gefühl, es wurde noch einmal extra viel Wert darauf gelegt, dass diese nicht ganz so schnell zu finden sind. Wahre Abenteurer sammeln neben den Schatzkisten auch noch soviel Geld auf, dass sie ihre Abenteurerleiste am oberen Bildschirmrand komplett füllen und sich so, individuell für jedes Level, den “Wahrer Abenteurer” Status sichern. Extras in Form von Multiplikatoren, Detektoren und allerlei Bonusspielereien müssen in den Missionen als kleine Pakete aufgetrieben werden. Damit nicht genug, denn bevor ihr den Inhalt der Pakete nutzen könnt, müssen diese im selben Level an einem ebenfalls gut versteckten Briefkasten aufgegeben werden.

Das alles bringt am Ende eines Levels Extrakohle in die Kasse und so findet ihr euch zwischen den Missionen im College wieder, an dem Jones seinen Unterricht gibt. Dieses als Hub funktionierende Level kann von euch nach Lust und Laune erkundet werden. So könnt ihr euch im Ausstellungsraum die bisher ergatterten Artefakte betrachten, kauft euch in der Bibliothek neue Charaktere für den Freeplay Modus, schaut eure angekommenen Pakete an, oder ihr versucht, der Lösung des Rätsels in eurem Büro auf die Spur zu kommen. Wer Lust auf Kino hat, schaut sich im Filmraum alle bisher erspielten Zwischensequenzen des Spiels an. Gewohnt verharmlost, lustig und im LEGO Look. Mit Hilfe des Charaktereditors bastelt ihr euch aus beinahe allen im Spiel befindlichen LEGO Figuren Teilen, einen eigenen Held und könnt mit diesem den Freeplay Modus bestreiten.

Im Gegensatz zum LEGO Star Wars Vorgänger besteht übrigens nicht die Möglichkeit, Missionen online im Ko-Op zu spielen. Das Spiel nutzt den Xbox Live Service nicht.

Leider habe ich auch bereits einen unschönen Bug beim Kampf gegen den deutschen Boxer vor dem Flugzeug mit der Lade in Raiders of the Lost Arc erleben dürfen. Hier blieb eine zum Beenden des Abschnitts notwendige Zwischensequenz leider aus und mir blieb nichts anderes übrig, als das Level neu zu starten. Unschön, aber bisher bei mir ein Einzelfall.

LEGO Indiana Jones erfüllt die Erwartungen auf der ganzen Linie. Mehr noch, der leicht angehobene Schwierigkeitsgrad tut dem Spiel gut und das Setting der drei Filmklassiker wurde super umgesetzt. Für Indy-Fans und LEGO Liebhaber ist LEGO Indiana Jones bedenkenlos zu empfehlen.

  

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Über Torsten

Kind im Mann, Videospieler, Liebhaber von Filmen im Originalton, Grob- und Feinschmecker, Vater.

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