Traveller’s Tales haben mit ihren Lizenz LEGO® Spielen eine einträchtige kleine Goldgrube ausgehoben. Erst in Zusammenarbeit mit Lucasfilm (Star Wars, Indiana Jones), dann mit Warner Bros (Batman). Jetzt steuerten letztere die Rechte an den Harry Potter Filmen in LEGO®-Form bei und laden uns ein, die ersten vier Schuljahre des Zauberschülers am Hogwarts-Internat nachzuspielen. Aber wollen wir das auch? So einladend die LEGO® Spiele dank moderatem Schwierigkeitsgrad und permanentem Koop-Vergnügen auch immer gewesen sind, großartig Neues boten sie schon lange nicht mehr und spätestens mit dem zweiten Indie-Abenteuer drohte die Reihe selbst von ihren langjährigen Fans abgestraft zu werden.
Aber wie soll man die Spielreihe retten, ohne die Casual-Spieler zu verschrecken und trotzdem noch den LEGO®-interessierten Spieler mit Erfahrung anzusprechen? Rowlings Harry Potter Universum lieferte die rettende Antwort: Hogwarts, das Schloss. Waren wir in den alten Star Wars Teilen zwischen den Story-Abschnitten gezwungen unsere Zeit in der mickrigen Mos Eisley Cantina zu verbringen, öffnete sich bei Indiana Jones 2 schon eine kleine Stadt immer mehr für uns zur Erkundung. Im aktuellen Harry Potter Spiel nun erkunden wir zwischen den 24 Leveln das Schloss Hogwarts und dringen dank neu dazu gelernten Zaubersprüchen immer wieder weiter in das Gebäude und seine Geheimnisse vor. In schöner Regelmäßigkeit entdecken wir so neue Räume, in denen wir serientypisch mit der Inneneinrichtung, in diesem Fall über unsere Zaubersprüche, interagieren können. So spüren wir goldene LEGO®-Steine auf, befreien andere Schüler aus misslichen Lagen und spielen Stein für Stein die nicht weniger als 167 Figuren aus dem Potter-Universum frei. Das funktioniert gut, denn ausdauernde Spieler belohnen gute Spiele eben am besten in kurzen Intervallen mit Geschenken. Und das Erkunden des alten Zauberschlosses ist schließlich auch ein wichtiger Punkt, der nicht wenig die Magie der Bücher ausmacht, die es nie wirklich in die bis dato erschienenen Filme geschafft hat.
Ansonsten ist dann aber auch alles beim Alten geblieben. Die 24 Level spielen wir einmal meist mit Harry, Ron und Hermione durch, um die Geschichte voranzutreiben und ein zweites oder drittes mal mit einer Auswahl freigeschalteter Figuren um alle Geheimnisse zu entdecken. Denn wie immer gehören die Charaktere im Spiel verschiedenen Klassen an. Belesene Schüler und Zauberer können Bücherschränke öffnen, sportliche können Besen reiten und die Gefolgsleute des dunklen Lord Voldemorts können mit Objekten agieren, bei denen normale Zauber nicht anschlagen. Um nur einige Beispiele zu nennen. So entpuppt sich das Spiel zu einem Dauerpuzzle, dessen Schwierigkeitsgrad zwischen kurz vorm Einschlafen und zehn Sekunden Nachdenken pendelt. Kein Problem, wenn wie bei der Serie üblich Interaktion im Sekundentakt gewährt ist. Pro Abschnitt gilt es die Wappen der vier Häuser Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw und Slytherin einzusammeln, einen bedrohten Schüler zu befreien und einen bestimmten Betrag an Lego-Stein Boni einzusammeln um den Wahren-Zauberer-Status zu erlangen. Das kennen wir aus den vergangenen Teilen und da fühlen wir uns gleich wie zu Hause.
Auch die Extras, mit denen wir unser Spiel modifizieren können indem wir zum Beispiel Multiplikatoren im dreistelligen Bereich einschalten, uns unbesiegbar machen oder alle Zauberstäbe, ganz im Stil der Weasley-Zwillinge, in Karotten verwandeln, sind wieder mit von der Partie. Sie befinden sich in Form von kleinen roten Behältern ebenfalls überall im Schloss Hogwarts versteckt und müssen, einmal aufgespürt, stilecht per Eulen-Kurier abgeschickt werden, damit wir sie später in der Diagon Alley neben neuen sekundären Zaubersprüchen und Charakteren erwerben können. Primäre Zaubersprüche, wie den lichtspendenden “Lumos”, der lähmende “Stupefy” oder den schützenden “Expecto Patronum” lernt ihr in Bonusleveln, in Form einer Unterrichtsstunde.
Geschmälert wird der Spaß vor allem durch zwei Punkte. Der dynamische Splitscreen, eigentlich eine sehr gute Idee, setzt nur dann ein, wenn ihr euch im Koop trennt, raubt euch allerdings regelmäßig den letzten Nerv, wenn sich die globale Kamera nach einem Spieler richtet, aber auf beiden Bildschirmen den Blickwinkel ändert. Ebenfalls nervig sind die Passagen, in denen ihr mit Hilfe der Zauberkraft manuell LEGO®-Steine zu Treppen zusammenfügen müsst. Ebenfalls im Grunde eine super Idee, in der Ausführung aber so dynamisch wie das Holzbein von Mad-Eye Moody.
LEGO® Harry Potter fängt seine beide Basis-Elemente sehr gut ein, setzt aber auch voraus, das man ein Fan von beidem ist, denn gerade die lustigen Zwischensequenzen sind es eben nur dann, wenn man auch weiß, was dort im Original vor sich geht. Wenn sich die Potter-süchtigen LEGO®-Freaks dann auch noch damit zufrieden geben, primär mit gezücktem Zauberstab stundenlang nichts anderes zu tun als Lampen, Tische, Stühle, Bilder und dergleichen “anzuzaubern”, steht dem Klötzchen-Spielspaß nichts mehr im Wege. Und wenn die einzige Motivation die ist, einmal mit Voldemort durch Hogwarts zu laufen und Schüler wie Lehrer mit dem “Crucio”-Fluch zu quälen oder dem “Avada Kedavra” auf der Stelle zu zerstören. Hach!
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