Der erste Teil des Zombie-Coop Massakers hat mich zurück zu den Egoshootern gebracht. Und blieb, mal von Mirror’s Edge abgesehen, damit das einzige Spiel, das dies zu tun vermochte. Bis jetzt. Denn mit Left 4 Dead 2 griff ich wieder zum Pad um mich gegen Horden Untoter zur Wehr zu setzen. Größer, besser und böser als zuvor.
Das Prinzip des ersten Teil war so simpel wie genial. Ein Egoshooter, der seine Gegner und Extrawaffen bei jedem Durchgang neu verteilte. Das Ergebnis war genial. Steht dieses Mal ein Untoter in der Dusche? Bekomme ich neue Munition hinter der nächsten Ecke? Was erwartet mich, wenn ich mich durch das Loch im Boden in die darunter liegende Etage fallen lasse? Left 4 Dead erzählte eine Stunde lang eine neue, spannende Geschichte in der wir und wahlweise drei Freunde die Hauptrolle spielten. Prinzipiell hat sich daran beim Nachfolger nichts geändert. Allerdings fühlt sich der Kampf ums Überleben mit den vier neuen Überlebenden Rochelle, Coach, Nick und Ellis in den Südstaaten Amerikas weit ausgereifter an.
Das liegt vor allem am neuen, herrlich gelungenen Leveldesign der fünf Kampagnen. Wir schlagen uns beispielsweise von einem brennenden Hotel zum klassischen Einkaufszentrum durch. Nehmen den Weg über den Highway in einen Freizeitpark. Stampfen durch Sümpfe, ländliche Hochwassergebiete und dürfen am Schluss sogar einmal am helllichten Tag eine Schneise durch die Zombiehorden schießen. Und die sind dieses Mal nicht das einzige, was uns das Leben schwer macht. In brennenden Foyers können wir im beissenden Rauch nur schlecht sehen, was um uns herum geschieht. Im von lebenden Leichen überrannten Einkaufszentrum wartet zwar ein Fluchtwagen, allerdings liegt es an uns, das Benzin dafür aufzutreiben. Auf dem Jahrmarkt sind wir gezwungen Stromverbindungen wieder herzustellen, was aber auch lärmende und deshalb Zombies anziehende Karusells einschaltet. Auf dem Land bekommen wir es dann auch noch mit strömendem Regen und einem handfesten, und nebenbei bemerkt unglaublich gut umgesetzten Twister zu tun. Kurz gesagt, wir befinden uns ständig in Bewegung und haben nur wenig bis gar keine Ruhepausen mehr. Left 4 Dead 2 hat die Action auf dem Schirm noch einmal deutlich nach oben geschraubt.
Und als wenn das alles nicht schon schlimm genug wäre, gibt es in den Reihen der Untoten auch noch neue Mutationen. Jockeys, die uns anspringen und in Gefahrenzonen “reiten”, Charger, die uns umrennen und in den Boden stampfen oder die Spitter, deformierte weibliche Zombies, die mit ätzender Säure nach uns spucken. Igitt! Die kotzenden Boomer, springenden Hunter, weinerlichen Hexen und Smoker mit ihrer langen Zunge sind natürlich auch noch mit von der Partie. Mehr noch. Jede Kampagne hütet nun auch noch lokale, untote Eigenarten. Etwa die dahingeschiedenen Ceda-Mitarbeiter in ihren Schutzanzügen, lärmende Clowns mit “normalen” Zombies im Schlepptau oder gar gepanzerte Sicherheitskräfte, denen man am besten erst einmal einen mit dem Kolben verpasst, bevor man sie dann am Boden erledigt.
Wer stilvoller zuschlagen will, kann das mit den neuen Nahkampfwaffen überaus effizient tun. Von der klassischen Machete, einem soliden Baseballschläger bis hin zu skurrileren Werkzeugen, wie etwa einer Gitarre oder einem Cricket-Schläger hat das Spiel einiges zu bieten. Freunde der alten Schule greifen zur vollgetankten Kettensäge, mähen sich gedankenverloren durch Horden verfaulten Fleisches und sinnieren dabei über großartige Momente des Splatterkinos mit ganz viel Ketchup und Schlachtabfällen. Diese Nahkampfwaffen ersetzten jeweils die mit unendlicher Munition geladene Pistole unserer Spielfigur und stellen so eine Alternative zur munitionslosen Verteidigung dar. Auch die Palette an Feuerwaffen wurde aufgestockt. Durchschlagende Sturmgewehre und Raketenwerfer verleihen der Zombiesafari ja eigentlich erst die richtige Würze. Letztere vor allem dann, wenn man von dahingeschiedenen Seuchenspezialisten ein Reagenzglas Boomer-Erbrochenes klaut und einen Zombie damit chemisch markiert. Die sich dann langsam ansammelnde Horde prügelt und beisst auf den markierten Kollegen ein und kann herrlich mit einer gezielten Granate dem Erboden gleich gemacht werden.
Für das leibliche Wohl sorgen die neuen Adrenalin-Spritzen, die uns temporär schneller werden lassen, wenn es mal drauf ankommt. Haben wir oder einer unserer Mitstreiter einmal das Zeitliche gesegnet, hilft der Defibrillator, den wir anstelle eines Erste-Hilfe-Packs ausrüsten können. Damit weilen tote Freunde im Nu wieder unter den Lebenden. Schön.
Left 4 Dead 2 ist ein Mehrspieler-Coop Titel, aber Valve hat es, wie schon bei Teil Eins geschafft, dass auch Single-Spieler wie ich sehr viel Spaß mit dem Spiel haben können. Leider nur in den Kampagnen. Die neuen Spielmodi “Realismus” und “Scavenge” lassen sich genau so wenig wie die Klassiker “Versus” und “Survival” alleine spielen.
Valve musste sich im Vorfeld einiges an Vorwürfen gefallen lassen, was den schnellen Nachfolger ihres auf Langzeitmotivation und damit einhergehend ja auch auf Langlebigkeit ausgelegten Egoshooters angeht. Im großen und ganzen bietet der Titel aber tatsächlich soviel neues, dass es wohl kaum in ein Update gepasst hätte. Left 4 Dead 2 ist deshalb ein würdiger Nachfolger, der Freunde des ersten Teils noch um einiges glücklicher machen kann. Und was kann einen Zombiejäger schon glücklicher machen, als einem Zombie im knietiefen Wasser eine Kugel zu verpassen um danach mit anzusehen, wie er physikalisch perfekt auf dem Wasser an ihm vorbeitreibt? Schaurig schön! Wichtig: Die deutsche Version erinnert hier an Zombiefilme in den Neunzigern auf Privatsendern: erledigte Untote verschwinden noch bevor sie den Boden berührt haben und manchmal auch, bevor wir wissen, was da überhaupt getroffen wurde. Schade!
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