Hätte mir vor zwei Wochen jemand gesagt, ich würde Jerry Bruckheimer in höchsten Tönen loben, ich hätte laut gelacht. “Remember Pearl Habor”, sagt der Veteran mit zitterigen Händen. Was passiert, wenn der Mann mit den vollen Taschen und Regisseur Verbinski mal so richtig die Korken knallen lassen und die Pfade des Popcornkinos für eines der furiosesten Enden in der Filmgeschichte hinter sich lassen, sieht man derzeit in Pirates of the Caribbean: At World’s End.
Geschickt verlagern die Macher die Rolle des Helden dieses Mal nicht mehr nur auf einen exzentrischen Captain Jack Sparrow, sondern auf die ganze Zunft der Piraten. Einer für alle, alle gegen einen ist das Motto der zahllosen falschen Partnerschaften, die unter den raubeinigen Halunken der hohen See im Film geschlossen und wieder gebrochen werden. Und den Zuschauer dabei mit dem Kopf zwischen Verrätern und Verkauften hin- und herschwenken lassen, wie bei einem Tennismatch.
Am Ende des Films stehz Verbinski in der Staffroll. Dort hätte aber auch ohne weiteres Terry Gilliam stehen können, trägt der Film doch in der ersten Hälfte eine ähnlich liebenswerte Handschrift. Dead Man’s Chest hatte bereits eindrucksvoll bewiesen, dass es auch heute noch möglich ist, Filme im Stil eines Indiana Jones zu machen. Teil Drei stellt für mich die Wiedergeburt des Abenteuerfilms dar. Mehr noch. Wie schon der Kraken im zweiten Film gibt es auch dieses Mal wieder Elemente, die einen trotz der High Tech Optik in kindlicher Erinnerung an alte Sindbad Filme im ARD und ZDF Vormittagsprogramm schwelgen lassen.
Audivisuelle Ästheten sitzen derweil angespannt im Kinosessel und erfreuen sich an der akustischen Hommage an Morricones Man with a Harmonica, an einem brachial gut in Szene gesetzten Schiffsduell und an einer der wohl genialsten, wie ungewöhnlichsten Hochzeitszeremonien der Filmgeschichte. Und halten die Luft an, wenn der Untergang des West Indian Trading Company Kommandoschiffs neue Maßstäbe in Sachen destruktiver Dramatik setzt.
Ein Filmerlebnis, das mit Sicherheit nicht jedem schmecken wird, vor allem denen nicht, die den leichten Geschmack des süßen Hollywood Popcorns Marke Bruckheimer erwartet haben.
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Ist dir (als mir mindestens ebenbürtiger Movie-Mosermeister) eigentlich aufgefallen, dass sie die Titel geändert haben? Auch in Deutschland heißt “Fluch der Karibik” inzwischen “Pirates of the Carribean”.
Wobei ich da ehrlich sagen muss… “Fluch der Karibik” fand ich so schlimm nicht.
Jaaa! Ist mir letztens beim Anblick der Kinoplakate aufgefallen. Fand ich natürlich gut.
Ich habe den Film auch gerade eben gesehen. Mal eines vorweg: Ich fand es dämlich, beim dritten Teil plötzlich den Originalnamen serviert zu bekommen. Aber gut, was soll’s. Von der Story her fand ich Teil 3 am schwächsten. Teil 1 war genial, Teil 2 war (bis auf das offene Ende) sehr gut und Teil 3 war gut. Die Gags wurden stark erhöht, was lustig war, kam aber für mich nicht mehr an die Vorgänger ran. Teil 4 scheint bei so einem Ende ja schon programmiert, fand ich etwas schade. Und ich hoffe ihr seid alle fein hocken geblieben, um die letzte Szene zu sehen. ^_^
Ich muss noch erwähnen, dass ich den Film einmal in Hamburg und einmal in Hannover gesehen habe.
In Hannover wurde wieder die ganze Zeit gelabert und erklärt, in Hamburg war es weitgehend ruhig. Man kann also einfach in Hannover nicht mehr ins Kino gehen.
Dafür war das Gelaber aber auch Extraklasse. Er: “Ah, it’s like Matrix!”. Sie: “Nah, not that complicated” :P
Verbinski hat übrigens gesagt, dass Schluß sei. Klar heisst ja nichts in Hollywood. Aber das Sparrow nicht in irgendeinem Hafen bleibt ist ja charakteristisch für ihn. Deswegen erschien mir das Ende auch gar nicht so Pro-Teil 4.