Film: RocknRolla (DVD)

Johnny Quid

Nachdem sich Guy Ritchie mit seinem Film Revolver im Thriller-Genre beweisen konnte, ging es bei seinem aktuellen Projekt wieder zurück zu den Wurzeln: Kleine und große Gauner und Gangster in Londons Unterwelt. Das beherrscht er im Schlaf und so wird man auch bei RocknRolla keinesfalls enttäuscht. Im Gegenteil. Ritchie beweist, das es in diesem Genre noch viel zu holen gibt und merkt am Ende des Films sogar noch an, dass er damit noch lange nicht fertig ist. Und das ist auch gut so, denn das Talent dieses Mannes ist einfach großartig.

DIE HANDLUNG Der Wild Bunch, eine Gruppe Krimineller bestehend aus One Two (Gerard Butler), Mumbles und Handsome Bob enden nach einem misslungenen Immobiliendeal auf der Schuldenliste des Londoner Großgangsters Lenny Cole und dessen rechter Hand Archie. Da sie lediglich einen Monat Zeit haben, das geborgte Geld zurückzuzahlen, lassen sie sich von einer gewissen Stella für einen lukrativen Raubüberfall einspannen. Die ist reich, schön und vor allem sehr gelangweilt und steht, was One Two und seine Kollegen nicht wissen, auf der Gehaltsliste des immigrierten russischen Kriminellen Uri. Das erbeutete Geld aus dem Raubüberfall hatte sie zuvor für ein dubioses Geschäft zwischen Uri und Lenny beschafft. Die Geschäftsbeziehungen zwischen den beiden werden durch den Raub erheblich strapaziert. Hinzu kommt, dass Lenny als Voraussetzung für die Geschäfte mit Uri, dessen angeblich Glück bringendes Gemälde geliehen bekam, das kurz darauf aus seinem Büro wieder entwendet wurde. Die Spur der Kunstdiebe führt zu Lennys Sohn Johnny Quid, einem bekannten Londoner Rockstar und Junkie. Dumm nur, dass der laut Zeitungsberichten seit einiger Zeit tot ist. Die Lage spitzt sich nicht nur für Uri dramatisch zu, als One Two und der Wild Bunch auch die zweite für Lenny bestimmte Ladung Geld erbeuten und dabei etwas zu unvorsichtig zur Sache gehen. Archie, der Assistent Lennys mit Kalkül, beginnt der Sache nachzugehen und macht sich daran die Hinweise aus allen Richtungen zu entwirren. Das führt ihn allerdings nicht nur zum angeblich verstorbenen Sohn und dem Wild Bunch. Auch ein gut gehütetes Geheimnis über einen Informanten in der Londoner Unterwelt scheint kurz davor, gelüftet zu werden.

DER FILM RocknRolla ist, wie auch Ritchies Filme davor, sehr dynamisch geschnitten. Die Eingangssequenz seines aktuellen Werks übertreibt dies zuweilen ein wenig. In MTV Reinkultur für Personen mit einem Auffassungsvermögen von etwas über drei Sekunden, erzählt der Film im Eiltempo die Vorgeschichte des Films. So ein wenig wie eine schräge Business-Präsentation, kommentiert von Gangster Archie, famos gespielt von Mark Strong (Sorter in Revolver). Diese rasante Einleitung hat einen Vorteil. Die vielen wichtigen Charaktere im Film werden dem Zuschauer auf diese Weise in kürzester Zeit vorgestellt und die Handlung kann da loslegen, wo es wirklich spannend wird. Und wie so oft sind das Fäden unterschiedlicher Gruppierungen die, mit der richtigen Dosis Humor abgelichtet, ihrer eigenen Sache nachgehen, um zum großen Finale zusammenzulaufen. Bis dahin ergötzt sich der Zuschauer an den skurrilen Figuren, wie es sie nur in Ritchies London Unterwelt Kino gibt. Und weiss sie zu schätzen. Dank der enormen Darstellungskraft der Schauspieler oder einfach aufgrund der eigentlich immer passenden Dialoge. Und wenn Johnny Quid in einem schmierigen Londoner Pub am Klavier sitzt und seinem Kumpel anhand einer Zigarettenschachtel zu melancholischen Tönen seine Liebe zu Drogen erklärt, während ein Meeting rücksichtsloser Gangster in einer parallel verlaufenden Szene aus den Fugen gerät, dann ist das ein ähnlich kunstvolles Kaliber wie etwa die Restaurantszene mit Sorter und Macha im Film Revolver. Auf derart hohem Niveau wird man gerne unterhalten.

DAS FAZIT RocknRolla ist eine Gaunerkomödie. Aber eine überraschend erwachsene. Es ist interessant zu sehen, wie es dem Regisseur gelingt aus immer wieder den selben Grundzutaten so unterschiedliche, eigenständige Filme entstehen zu lassen. Ritchie hatte es in der Vergangenheit nicht gerade leicht und musste mit vielen Vorurteilen gegenüber seinen Filmen kämpfen. RocknRolla führt hoffentlich wieder dazu, ihn als das zu sehen, was er ist: eine begnadetes Regie- und Drehbuchtalent mit einem beeindruckenden und fast makellosen Filmkatalog.

RocknRolla ist Ende Januar als US und Kanada DVD sowie Blu-Ray, beides inklusive Digital Copy, erschienen.

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Über Torsten

Kind im Mann, Videospieler, Liebhaber von Filmen im Originalton, Grob- und Feinschmecker, Vater.

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