Im Jahr 2002 erschien mit Now You Know das Regiedebüt des Clerks Darstellers Jeff Andersons. 2006 erschien der Film, für den Kevin Smith mit seinem guten Namen herhielt, Anderson in drei Monaten das Skript geschrieben hat und dessen Dreharbeiten in nur 18 Tagen abgeschlossen waren, endlich auf DVD. Das Ergebnis hat neben entsprechend viel handwerklichem Charme auch seine Momente. Und vor allem einen Trevor Fehrman, der Andersons Charakter Gil im Film als Kollege und Freund Biscuit zur Seite steht. Das hohe komödiantische Potential der beiden, das Jahre später im Clerks Nachfolger in einem Feuerwerk gehobenen Humors gipfeln soll, ist hier bereits klar zu erkennen, wenn auch noch nicht ganz so ausgeprägt.
DIE HANDLUNG Jeremys Junggesellenparty bietet das volle Programm: in einem Apartment in Las Vegas gibt es neben einer angekettete Bowlingkugel an seinem Bein auch Stripperinnen, Prostituierte und sehr viel Alkohol. Nur ihn selbst scheint das alles nicht zu amüsieren. Die Hochzeit wurde nämlich längst abgeblasen, was seine feiernden Freunde entweder nicht wissen, oder nicht interessiert. Der eigentliche Grund für die abgesagte Hochzeit mit seiner langjährigen Freundin Kerri ist ihm allerdings selbst gar nicht so klar und in seiner Verzweiflung lässt er sich vor allem erst einmal melancholisch treiben. Zurück in der Heimat New Jersey versucht er sich mit seinen leicht chaotischen Freunden Gil und Biscuit die Zeit mit Alkohol und Kneipentouren zu vertreiben. Nicht ohne dabei pausenlos an Kerri und ihre vermeintliche Zukunft zu denken. Auch die zieht derweil mit ihrer Freundin Marty durch das Nachleben New Jerseys, ebenfalls auf der Suche nach dem Grund für das Scheitern der Hochzeit.
DER FILM Wenn Jeremy mit seinen Freunden lange Dialoge im Auto hält oder Kerri mit Marty in einem lesbischen Nachtclub über Männer diskutiert, dann fühlt sich der Kevin Smith erprobte Zuschauer geborgen. Trotzdem hat Anderson ein eigenständiges Werk geschaffen. Humor und Gefühl sind schön ausbalanciert und unterhalten den Zuschauer über zwei Stunden solide. Und das, obwohl sich der Tages- und Nachtablauf von Jeremy und seinen Freunden bis auf ein, zwei extreme Situation eigentlich ermüdend langweilig gestaltet. Und genau da kommt Jeremy Sisto als Darsteller des Jeremy ins Spiel. Dessen Erscheinung und Auftreten im Film ist nämlich nicht weniger langweilig und ausdruckslos. Und das passt wie die Faust aufs Auge. So fügt sich alles zu einem gut funktionierenden Film zusammen, auch wenn das Skript hier und da mal holpert oder der Zuschauer sich wiederholt fragen, wo eigentlich schon wieder dieser Shane herkommt und was der die ganze Zeit in dem Film zu suchen hat.
DAS FAZIT Für einen Debütfilm mit eingeschränkter Zeit für Drehbuch und Dreh und dem geringen Budget von unter 400.000 US-Dollar hat Anderson schon eine kleine Meisterleistung abgeliefert. Auch wenn es im Grunde nicht Neues zu sehen gibt. Aber so sind diese Art Nächte eben: man lässt sich treiben und erkennt eben erst am Ende wie lustig die letzten Stunden doch eigentlich waren. Und so verhält es sich dann auch für den Zuschauer. Der Film hat jedes Recht nicht nur von Fans der Kevin Smith Werke begutachtet zu werden. Schade, dass das für viele nicht ohne Import möglich ist. Interessierte können die DVD derzeit leider nur in Kanada oder den USA bestellen.
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