Superheldenfilme gibt es mittlerweile mehr, als uns lieb ist. Bei all den Bat-, Super-, Iron- und Spidermen, Wolverines, Hulks und wie sie alle heißen vergessen wir aber schnell, womit wir graue Vormittage in unserer Kindheit verbracht haben, wenn Comics noch nicht cool oder gerade nicht zur Hand waren: mit japanischen Monsterfilmen. Was aber ist aus dem Dauerbefall Tokyos vonseiten illustrer Monstren geworden? Und vor allem, wer beschützt Japan heute? Die Antworten auf all diese Fragen liefert Hitoshi Matsumotos Film Dai-Nipponjin aus dem Jahr 2007. Soviel sei vorweg verraten: das Geschäft mit der Monsterabwehr ist längst nicht mehr so rosig, wie es einmal war.
DIE HANDLUNG Daisatou Masaru ist der große Japaner in der sechsten Generation. In den letzten im Land bestehenden Transformator-Stationen an Starkstrom angeschlossen, wächst er zu gewaltiger Größe heran und wird von der Regierung ausgesandt, Monster aus den Stadtrandgebieten zu bekämpfen, die Japans Großstädte bedrohen. Um von der Arbeit leben zu können, werden seine Einsätze im japanischen Fernsehen übertragen und von diversen Firmen gesponsert. Seine Managerin ist allerdings, genau wie die Mehrheit der japanischen Bevölkerung, wenig begeistert von der aktuellen Leistung des großen Japaners. Auch privat läuft es alles andere als gut. Seine Frau hat sich von Masaru getrennt und der Kontakt zu ihr und der gemeinsamen achtjährigen Tochter ist beinahe vollständig abgebrochen. Auch sein Großvater, genannt der “Vierte” und an Demenz erkrankt, sorgt für Aufregung, als er sich auf eigene Faust vergrößert und eine kleine Tour durch Tokyo unternimmt. Masarus Einsätze geraten zunehmend zu Desastern und gipfeln in einem Zusammentreffen mit einem teufelähnlichen Monster, dem er genau so wenig gewachsen zu sein scheint, wie dem sozialen Kontakt zur Gesellschaft. Die Ära des großen Japaners scheint vorbei.
DER FILM Hitoshi Matsumotos Regiedebüt erzählt anfangs lakonisch und zum Ende hin sehr surreal die Leidensgeschichte eines Superhelden, der in der modernen Welt mit weit mehr zu kämpfen hat, als bloß mit Monstern. Umweltschützer, Nachbarn, Sponsoren und Einschaltquoten sind Sachen, mit denen Masaru nur wenig anfangen kann und will. Daraus entwickeln sich Situationen, die dem Drama hin und wieder abstrakten Humor verleihen. Nicht weniger abstrakt sind die animierten Monster (unter anderem modelliert nach Riki Takeuchi), die nachdem sie gebührend vom Sprecher vorgestellt wurden, auf aberwitzige Weise den Frieden der Stadt stören. Im Stil eines Dokumentarfilms präsentiert uns Matsumoto den Alltag des großen Japaners, ständig begleitet von einem Kamerateam und einem Interviewer. Im großen Finale der Zuschauer und der Dai-Nipponjin dann leidig erfahren, wie es wirklich um das Genre des japanischen Superheldenfilms bestellt ist.
DAS FAZIT Wer mal etwas ganz anderes sehen möchte, der ist mit Dai-Nipponjin gut bedient. Aufgeschlossen und tolerant gegenüber filmischen Experimenten sollte man aber schon sein. Erfüllt man diese Voraussetzung, steht der besonderen Unterhaltung durch den Dai-Nipponjin nichts mehr im Wege. Überwiegend trocken und ruhig, mal bösartig witzig und dann wieder völlig bizarr. Dai-Nipponjin lässt sich unmöglich in irgendeine Schublade stecken. Das gibt es heute viel zu selten und sollte deswegen auch belohnt werden. Dieser Film verdient es gesehen zu werden, denn einen ähnlichen Superheldenfilm wird es wohl so schnell nicht noch einmal geben.
Der große Japaner ist bei Rapid Eye Movies auf DVD erschienen und befindet sich im Sortiment jedes gut sortierten Filmverleihs.
Ähnliche Artikel auf Dons Welt:
Das große Tenugui (saucool!)Film: Sukiyaki Western Django (Kino)
Film: Last Life In The Universe (DVD)
Film: Blessing Bell (DVD)
Film: D.A.N.G.A.N. Runner (弾丸ランナ) (DVD)



