Film: Burn After Reading (DVD)

Auch wenn der großartige Film No Country For Old Men für einiges an Begeisterung und Auszeichnungen sorgte, auf ihren Lorbeeren haben sich die Gebrüder Coen deshalb nicht ausgeruht und so dauerte es nicht lange, bis es wieder einen ihrer Filme im Kino zu sehen gab: Burn After Reading. Der ist vor Weihnachten als US DVD erschienen und hat es am Wochenende endlich in den DVD-Spieler geschafft. Ein Spionagefilm ohne all die Explosionen, wie die Coens ihn selbst betiteln.

Linda (Francis McDormand) arbeitet im Verwaltungsbereich eines Fitnesszentrums und steckt mitten in einer Persönlichkeitskrise. Die Schuld daran schiebt sie auf ihren Körper, aus dem wie sie selbst sagt, nichts mehr rauszuholen ist. Ein, oder besser, vier operative Eingriffe sollen Abhilfe schaffen. Nur das Geld für die Operationen fehlt noch. Als ein Kollege eine CD mit scheinbar hochbrisanten Daten des C.I.A. Agenten Osbourne Cox (John Malkovich) in der Umkleidekabine findet, wittern Linda und der Fitness Trainer Chad (Brad Pitt) die große Chance, mit Erpressung an viel Geld zu gelangen. Cox hat derweil allerdings genug Probleme mit seinem verlorenen Job, einer Alkoholsucht, seiner Frau und dem ganzen Rest seines Lebens und will sich gar nicht so einfach erpressen lassen. Nicht ganz unschuldig an Cox Problemen, zumindest was dessen Frau angeht, ist Harry Pfarrer (George Clooney). Der notorische Frauenheld im Vorruhestand lebt seinen Sexualkomplex mit fremden Ehefrauen und Internet-Dates aus. Vornehmlich, während seine eigene Frau auf Geschäftsreise ist. Auch Linda, die regelmäßig in ihrer Not auf Bekanntschaften aus dem Internet setzt, trifft auf diese Weise mit ihm zusammen.

Burn After Reading ist genau das, was einen Coen Film ausmacht. Ein Haufen skurriler Figuren mit Problemen und Komplexen in einer begrenzten Welt, in der gerade mal genug Platz für die Naturgesetze ist. Alles darüber hinaus würde stören und wird deshalb auch nicht beachtet. Das ergibt einen absurden Mix aus rachsüchtigen Alkoholikern, verzweifelten Spätvierzigern, einem halben Dutzend betrogener Ehefrauen und Ehemänner sowie einer Menge schwarzer Limousinen, die aus dem Schatten heraus irgendwen aus irgendeinem Grund beobachten. Die höhere Macht in diesem Chaos ist das C.I.A. in Gestalt eines ranghohen Offiziers (David Rasche = Sledge Hammer!) und dessen Vorsitzenden, großartig gespielt von J. K. Simmons, die schon mal zu drastischen Mitteln greifen um herauszubekommen, was dieser ganze Haufen eigentlich vorhat. Im Gesamtbild ist das alles derart absurd und ereignisreich, dass man am besten ganz schnell aufhört über irgendetwas nachzudenken und sich einfach zurücklehnt um zu genießen.

Der Film wirkt wie ein kleiner Befreiungsschlag der Coens, um den Druck, den sie durch ihren vorangegangenen Film auf sich genommen haben, schnell wieder loszuwerden. Es erfordert viel Mut, ein solches Werk nach No Country For Old Men abzuliefern. Schön, dass es noch Menschen in dieser Industrie gibt, die den aufbringen können. Burn After Reading wird neben den feinen Dialogen in erster Linie von der herausragenden Darbietung seitens Clooney und Malkovich getragen. Das macht zusammen aber schon Dreiviertel des Films aus und deswegen stört auch Brad Pitts teilweise übertrieben nerviger Charakter nicht wirklich. Am Ende fügt sich der Film wunderbar in das beinahe lupenreine und in sich nach wie vor aus völig unterschiedlichen Filmen bestehende Gesamtwerk der Coens ein. Vorzügliche Unterhaltung.

Der Film ist als US- oder Kanada-DVD und Blu-Ray erhältlich und erscheint am 9. Februar in England, beziehungsweise am 27. März in Deutschland als Blu-Ray und DVD.

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Über Torsten

Kind im Mann, Videospieler, Liebhaber von Filmen im Originalton, Grob- und Feinschmecker, Vater.

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