Die Katze auf dem CGI-Blechdach: Goemon

Kazuaki Kiriyas “Goemon” ist in diesen Tagen in Deutschland als Blu-Ray und DVD im schmucken Steelbook erschienen. Mit seinem zweiten Film beweist der Regisseur, dass seine Vorliebe für bildgewaltige Theatralik einem Mittelalter-Kostümfilm weit besser steht als der Sci-Fi-Anime Umsetzung “Casshern”. Auch wenn sich die technische Seite scheinbar nicht weiterentwickelt hat und zuweilen immer noch arg künstlich wirkt.

Kiriyas Version der Legende des Diebes Ishikawa Goemon entführt uns in ein schrill-buntes Japan des 16. Jahrhunderts und behandelt den letzten Akt der Legende: das Attentat auf Fürst Toyotomi. Dabei fällt ihm nicht im Traum ein, sich Punkt für Punkt an die bestehenden Erzählungen um dieses Ereignis zu halten. Zum Glück. Denn so haben große Namen der japanischen Geschichte und Folklore Einzug in den Film gehalten. Sämtliche großen Kriegsfürsten teilen sich den Platz im Rat der Regierung und Goemons privater Trainer ist dann eben mal kein geringerer als Hattori Hanzo persönlich, grandios gespielt von Susumu Terajima. Der Film erzählt sich durch diese Riege großartig gespielter Charaktere extrem flott und die Bombast-Kinetik der Action-Szenen hält das Tempo stetig hoch.

Da macht es eigentlich gar nicht soviel aus, dass “Goemon” technisch nicht viel besser aussieht als vor Jahren schon “Casshern”. Vielleicht sogar nicht einmal so gut. Denn ehrlich gesagt befinden sich die computer-animierten Sequenzen auf dem Niveau eines “Blade II”. Dieses Niveau hält er aber und so kann der Zuschauer zumindest keinen Stilbruch beklagen. Im Gegenteil, es trägt sogar ein wenig zum Charme des Films bei. Und Charme kommt in Zeiten, in denen Technik im Kino mehr zählt als künstlerische Finesse doch eh viel zu kurz.

Goemon mag keine millionenschwere Elektronik als Basis haben, spart dafür aber nie an Komik, Gewalt und Tragödie. Drei Zutaten, die hier in einem großen Eimer vermengt serviert werden und eine grandiose Achterbahnfahrt der Gefühle ergeben und dafür sorgen, dass am Ende des Films fast jeder gestorben ist, der mehr als vier Zeilen Dialog hatte. Und ein Film basierend auf einer japanischen Legende scheint damit auch dann durchzukommen, wenn die Streicher, Glühwürmchen und Tränen uns anderswo längst den Geduldsfaden der Erträglichkeit gesprengt hätten. Auch ganz anders als bei “Casshern”, der oft in seiner teilweise arg lakonischen Theatralik zu ersaufen drohte, wenn gerade einmal nichts explodierte oder feinsäuberlich in zwei Teile geschnitten wurde.

“Goemon” ist ein Film, den ich mir gerne noch öfters anschauen werde, denn er ist in seiner Art einmalig. Es ist die Art der Unterhaltung, die immer noch viel zu viele Filme in diesem Genre vermissen lassen und deswegen sollte jeder, der etwas für das japanische Kino überhat, losrennen und “Goemon” zumindest in der Videothek ausleihen. Und zwar jetzt.

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Über Torsten

Kind im Mann, Videospieler, Liebhaber von Filmen im Originalton, Grob- und Feinschmecker, Vater.

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