Die Crossover Filme “Aliens vs. Predator” haben das Universum beider Spezies ordentlich zerrüttet. Nicht nur viele Fans der extraterrestrischen Predatoren waren angesichts der belanglosen Verfilmungen erbost, selbst James Cameron (“Aliens”) drohte vor dem zweiten Teil, er würde nie wieder etwas mit dem Franchise “Alien” zu tun haben wollen, sollte es einen Nachfolger geben. Twenty Century Fox ignorierte die Warnung, vielleicht auch weil Verträge für ein Sequel zum Original Alien von dessen Schöpfer Ridley Scott (Robin Hood) bereits in der Schublade lagen? Aber die Ignoranz des Filmvertriebs und der fehlende Respekt gegenüber Cameron und dem Franchise haben letzteren einen schweren Schlag versetzt. Derart verfahrene Situation sind meist nur mit extraordinären Methoden zu lösen. Etwa mit einem neuen Predator Film, produziert von Robert Rodriguez (“Sin City”) unter der Regie von Nimród Natal (“Kontroll”) und mit Charakterdarsteller Adrien Brody. Ein gewiefter Schachzug, denn diese Kombination ist derart sonderbar, dass es nach einem Rettungspaket für den Predator klingt, dem man gewillt ist, optimistisch gegenüber zu stehen.
Eines vorweg: Predators ist nicht wie im Universum des gefährlichen Halbwissens (Teh Internet) oftmals verbreitet, ein Reboot. Dieser Terminus wird ja neuerdings liebend gerne auf alle Filme angewendet, die eine Frischzellenkur im Kino bekommen. Predators schreibt die Geschichte aber nicht um, es ist bloß ein klassischer Nachfolger. Die Ereignisse des ersten Teils sind geschehen und werden sogar im Film angesprochen. Der zweite Teil wird verdientermaßen ignoriert. Rodriguez Troublemaker Studios haben aus den vorhandenen Elementen eine Art Cube-Interpretation geschaffen.
Sieben Männer und eine Frau werden aus verschiedenen Kriegsgebieten der Welt entführt und an Fallschirmen über einem Dschungel abgeworfen: Den Söldnern, Soldaten, Rebellen und Kriminellen wird über kurz oder lang klar, dass sie ausgewählt wurden, die Beute in einer klassischen Jagd zu sein. Die Jäger: eine außerirdische Spezies, die nichts lieber hat, als alle blutige Trophäen ihrer Opfer endlich über dem kuscheligen Kamin hängen zu haben. Der Gruppe wird bald klar, dass sie es nur gemeinsam und mit viel Hinterlist schaffen kann, das Jagdgebiet wieder lebend zu verlassen. Punkt. Die Story und ihre ein, zwei Mini-Twists riechen wir auf hundert Meter Entfernung wie den faulen Atem eines Predators. Sämtliche Dialoge entstammen dem großen Setzkasten des Actionkinos der letzten 30 Jahre. Abgebrühte Söldner zeigen ihre weiche Seite, der mit dem farbig auffälligsten Hemd stirbt zuerst und aus gut wird böse und umgekehrt. Auch alles aus dem Setzkasten.
Wenn wir aber mal ganz ehrlich sind, wäre doch jeder Schritt darüber hinaus auch vergebene Liebesmüh. Immerhin geht es hier um das alte gefressen und gefressen werden, um das Zehn-kleine-Jägermeister Prinzip. Um Action-Kino wie es doch eigentlich schon kurz nach dem ersten Teil hätte aussterben müssen. Aber es überlebte, denn manchmal ist es genau das, was wir als geneigte Zuschauer sehen wollen: Action, gespickt mit einem lockeren oder heroischen Spruch im Zehn-Minuten Interval. Ohne teuere Zeitlupen oder millionenschwere Effekte. Predators wirkt mit seinen Funken sprühenden Explosionen, die direkt aus den 80ern zu stammen scheinen, wie eine Ode an die gute alte Zeit des Genres. Ein Dank an Schwarzenegger und Co. Und vielleicht auch wie ein kleiner Denkzettel. Einer der sagt: seht her, “Aliens vs. Predators” hätte nicht wirklich sein müssen und unterstreicht das, bewusst oder unbewusst, musikalisch mit deutlichen Elementen des alten Jerry Goldsmith Alien-Themas im neuen Predators Soundtrack. Am Ende zeigt der Film dann, was selbst der gestählte und Action-erfahrene Christian Bale mit Terminator Salvation nicht geschafft hat: wie ausgerechnet Adrien Brody das Erbe Schwarzeneggers erfolgreich weiterführt. Das ist krass.
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“Get to da choppah!”
P.S.: Ich mag den zweiten Teil irgendwie.
Ach ja: Sie sagen im Film übrigens “Jagd Reservat”. Allerdings war Danny Trejos Synchronstimme dermaßen lachhaft (ich finde gespielte Dialekte ja immer lachhaft und hier hatten natürlich gleich die Hälfte der Figuren einen Dialekt), dass ich den Gang in die deutsche Fassung gleich wieder ein wenig bereut habe und demnächst wieder nur Originalton an meine Ohren lasse.