In Zeiten von Remakes und Reboots muss der geneigte Filmfreund so einiges über sich ergehen lassen. Die eine Hälfte der Neuaufgüsse tritt den Charme der Originale mit gestiefelten Füßen, die andere ist mit Nicholas Cage. Auweia. Da ist man schon voreingenommen, wenn nur eine Neuinterpretation angekündigt wird. Dabei ist es doch so einfach. Anstelle sich die Mühe zu machen eine Filmmarke neu zu verfilmen, lässt man sich einfach von einigen Genre-Klassikern inspirieren und stellt so ein unabhängiges Werk auf die Beine, das sich nicht den Erwartungen zweier Generationen stellen muss. So geschehen mit „Cop Out“, Kevin Smiths erster Auftrags-Regiearbeit.
Und was dabei rausgekommen ist, kann sich sogar sehen lassen. Smith paart obligatorische Pottymouth-Dialoge mit etwas, das man durchaus vergangene Hollywood-Magie nennen kann. In Zeiten von CSI und Co. sind die Detectives des klassischen Kinos ja so gut wie ausgestorben. Bei „Cop Out“ sind sie wieder da. Die Foleys, die Fletchs, die Harrys. Typen ohne Geld, mit nur einem Hemd und natürlich vorübergehend ohne Polizeimarke. Fälle werden nicht im Hightech-Labor gelöst, sondern bei halblegalen Aktionen im Sonnenuntergang mit nichts als einem Fernglas. Computer bedienen immer nur andere, die man dann per Telefon um einen Gefallen bittet oder sie stehen einfach rum und präsentieren einem zufällig wichtige Daten, die auf die richtige Fährte führen.
Natürlich darf auch der skrupellose Gegenspieler der Antihelden nicht fehlen. In diesem Fall ausnahmsweise mal ein mexikanischer Drogendealer, auf den die beiden Cops Jimmy (Bruce Willis) und Paul (Tracy Morgan) treffen, nachdem Jimmy bei einem Überfall eine wertvolle Baseball-Sammelkarte aus seiner Jungend gestohlen wurde. Deren Verkauf war dafür bestimmt, die Trauringe und Hochzeitsfeier seiner Tochter zu bezahlen. Blöd nur, wenn einem nicht nur das Geld fehlt, sondern ihn auch die Suspendierung wegen einer gehörig in die Hose gegangenen Überwachung daran hindert, dem Verbleib des Dealers und seiner Karte auf die Schliche zu kommen. Wenn dann noch der Stiefvater der Tochter von Jason Lee mit Brusthaar-Toupet verkörpert wird, steht man als Cop am Rande des Abgrunds.
Es ist unnötig zu erwähnen, dass Morgan und Willis ihre Rollen genau so spielen, wie es schon zu Zeiten von Beverly Hills Cop und Co. erwartet wurde. Als zwei Pole, der eine schnell genervt, der andere nervend und bewaffnet mit einem schier nicht enden wollenden Output an Filmzitaten. Natürlich darf auch der Kleinkriminelle nicht fehlen, der die Verbindung zum Verbrechersyndikat herstellt. In diesem Fall wunderbar durchgeknallt gespielt von Sean William Scott.
Klar ist das alles am Ende kein Meisterwerk. Aber, und das ist der Unterschied zu den vielen offiziellen Aufgüssen im Kino, Unterhaltung mit einem gewissen Anspruch. Sein ganzes Potential spielt der Film wohl am ehesten aus, wenn wir ihn uns an einem Filmabend zusammen mit „Beverly Hills Cop“ und „Fletch – Der Troublemaker“ anschauen. Erst dann dürfte einem klar sein, wie gut diese Hommage gelungen ist. Schenkt man Kevin Smiths Twitter Account Glauben, hat er übrigens auf einen großen Teil seiner finanziellen Entlohnung verzichtet, um Warner am Ende davon abzuhalten, die nicht jugendfreien Dialoge im Zuge einer Freigabe ab 13 herauszuschneiden. Für eine Auftragsarbeit kein geringer Einsatz. Gelohnt hat es sich letztendlich aber dennoch, denn Smith teilte vor einigen Wochen ebenfalls über Twitter mit, dass durch den Erfolg von „Cop Out“ das Horrorfilm-Projekt „Red State“ eine Finanzierung zugesichert bekommen hat (nicht von Warner). Ein Happy End. Natürlich!
„Cop Out“ ist ab jetzt in Deutschland als Leih-DVD und Blu-Ray erhältlich.
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