Conrad ist ein hartgesottener Space-Marine. Stationiert ist er auf dem Raumschiff “Leopold”. Für Namen und Verwandte kann man ja bekanntlich nix, also willkommen an Bord der Alien Breed Evolution Rezension auf Cktc.de. Schnallt euch an, denn wir erwarten Turbulenzen und das ein oder andere Dutzend hungriger Xenomorphe.
Damals auf dem Amiga war Alien Breed das Größte. Zu zweit ballerte man sich durch Korridore voll mit aggressiven, außerirdischen Lebensformen, die direkt aus Ridley Scotts Film- und Genre-Revolution “Alien” zu stammen schienen. Oder eben aus dessen actiongeladenem Nachfolger “Aliens” von James Cameron, als der noch ein Gefühl für Ästhetik hatte und diese nicht blau leuchtete. Heute, fast zwanzig Jahre später, hat sich am Spielprinzip nicht viel geändert. Allein oder zu zweit ballern wir in mit Pneumatik-Türen bestückten Korridoren auf alles, was “Piep” auf unserem Motion-Tracker macht. Das sind ausnahmslos insektoide Außerirdische, die durch Wände oder aus dem Boden herausbrechen und uns mit Säure oder ihren scharfen Klauen angreifen. Im Verlauf des Spiels variieren diese in Form, Farbe und Fähigkeit, an die teuflischen Geschöpfe H. R. Gigers erinnern dabei aber lediglich noch die kleinen Krabbeltiere, die frisch aus den umherstehenden Eiern schlüpfen.
Da das Geld nicht mehr wie beim Vorgänger auf der Straße liegt, müssen wir unsere Waffen 2009 auf der Xbox 360 oder der Playstation 3 nicht mehr für Bares einkaufen, sondern suchen nach ihnen in Spinden oder bei den zahllos herumliegenden Leichen. Das Netzwerk des Raumers wird nur noch zwecks Speichern des Spielstandes über gelegentlich auftauchende Terminals aufgerufen. Weil wir nicht gern nackt dastehen, sollten wir eine unheimliche Begegnung haben, ist unsere Standardwaffe mit unendlicher Munition bestückt. Eine Wunderwaffe ist sie deswegen natürlich nicht und deshalb heisst es bei den stärkeren Waffen, wie der Schrotflinte, dem MG oder der Laserkanone: Kugeln und Energie sparen. So wie wir es von gutem Survival-Horror gewöhnt sind.
Moment … Survival-Horror? Ja. Alien Breed Evolution darf man diesen Titel ungeniert zuschreiben. Dank detailreicher, düsterer Grafik und super Effekten ist die Spannung stets auf dem Höhepunkt. Die temporär auftretenden musikalischen Intermezzi im Zusammenspiel mit dem unheilverkündenden Piepsen des Motion-Trackers erzeugen eine dichte Atmosphäre und Vergleiche zur Genre-Größe “Dead Space” liegen nahe. Hinzukommt die genretypische weibliche Computerstimme des Raumschiffes, die uns als “Bearer of Bad News” im Minutentakt mit katastrophalen Mitteilungen über den Zustand unseres Schiffes versorgt. Wunderbar.
Dem entgegen wirkt das etwas schnöde Abarbeiten der Wegpunkte, was neben dem Schießen oft unsere einzige Aufgabe ist. Mia, der obligatorische Cyborg auf der “Leopold”, steht mit uns in Funkkontakt, versorgt uns mit Details zu der aktuellen Mission und steckt die Wegpunkte auf dem Radar entsprechend ab. Das läuft in der Regel folgendermaßen ab. Mia: “Conrad, suchen Sie den Reaktor So-und-so.”, Conrad: “Der hier, der mir gerade explodiert ist?”, Mia: “Dann gehen Sie zurück und aktivieren Sie die Sprinkleranlage”, “Die hier, die gerade keinen Strom hat?”, Mia: “Dann suchen Sie den Sicherungskasten”. Der Sicherungskasten ist dann wahrscheinlich gerade explodiert. Dementsprechend laufen wir den ein oder anderen Korridor gerne auch mal mehrmals ab.
Im Grunde kann man mit Alien Breed Evolution wenig falsch machen. Die fünf Abschnitte sind allesamt recht lang und sorgen für herrlich angespannte Stunden vor dem Fernseher. Für 800 Microsoft-Punkte bekommt man hier ordentlich Spaß fürs Geld und Wiederspielwert in Form von Sammelgegenständen ist auch vorhanden. Wenn ich jetzt aber einmal davon ausgehe, dass sich mit Episode Zwei und Drei die Länge des Spiels zusammen mit dem Preis proportional erhöht, könnte das im Grunde genommen nicht besonders abwechslungsreiche Gameplay über die dreifache Zeit für den Preis von 2400 Punkten irgendwann recht langweilig werden. Hier liegt es an Team17, mich positiv zu überraschen. Klar verstehe ich, dass man mit einem Spiel für 800 Microsoft-Punkte nicht so einfach die Entwicklung inklusive der Anschaffung einer Quake-Engine reinholt, andererseits scheint sich die Tatsache, das es sich um ein Episodenspiel handelt auch nicht besonders positiv auf die Verkaufszahlen auszuwirken. Online ist zumindest wenig bis gar nichts los. Schade.
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