Ningen ist auf der Flucht. Das denken zumindest seine Feinde. Aber Ningen, der Ronin mit dem Iaido-Stil ist es, der letztendlich aus jedem Konflikt unbeschadet hervorgeht. Meist in einer Pfütze aus dem Blut seiner Gegner. Ningen ist der Protagonist im ersten englischsprachigen Comicband des Schweizer Künstlers J. P. Kalonji. Ein Debut, das sich sehen lassen kann.
Auf 392 Schwarzweiß Seiten zeichnet Kalonji die Geschichte des Ronin, auf seiner Reise durch ein von Kriegen zerüttetes mittelalterliches Japan. Die Art der Geschichte ist dabei nicht neu, ihr Protagonist auf den ersten Blick austauschbar. Wenn wir aber ehrlich sind, ist es doch genau das, was wir sehen wollen. Der Nobody und seine Meisterschaft mit dem Schwert, ein heruntergekommenes Örtchen, lakonisches Analysieren der Situation durch Blickkontakte aller Parteien, gefolgt von Schwertkämpfen, die Stille, Kleider und Fleisch zerreißen. Kalonji bietet uns genau das. Aber in Perfektion. Sei es der saubere Zeichenstil oder die Intensität und die Dynamik der Actionszenen. Dieser Künstler versteht sein Handwerk nicht weniger perfekt als die Hauptfigur in “365 Samurai” den Umgang mit dem Schwert. Um so schöner die Überraschung am Ende, wenn doch ein wenig mehr dahinter steckt, als wir anfangs glaubten. Wenn wir zum Nachdenken ob der Geschehnisse im Comic animiert werden.
Das Besondere an “365 Samurai” ist die unkonventionelle Aufteilung jeder einzelnen Seite. Diese enthalten nicht wie gewöhnlich mehrere Bilder, sondern jeweils nur eine einzige Zeichnung über die gesamte Seitengröße. Auf diese Weise bekommt jedes Bild im Comic eine wesentlich höhere Zuwendung seitens der Leser, was vor allem bei den Kampfszenen und den vorzüglich geratenen Gesichtern der Charaktere eine Wonne ist. Auf der anderen Seite aber gibt sich die Geschichte oft wortkarg und wir ertappen uns ab und an dabei, das Buch im von der Dynamik der Zeichnungen vorgegebenen Eiltempo zu durchblättern. Am Ende hatte ich sogar ein wenig den bedrückenden Gedanken, das Medium Papier sei für diese Art Comickunst nicht wirklich das optimale.
Nichtsdestotrotz gehört der Titel zu meinen Comic Highlights des Jahres 2009. Und von einem neuartigen Erlebnis im Bereich Comics kann man viel zu selten sprechen, als das man auf die Lese-Erfahrung mit “365 Samurai and a few Bowls or Rice” verzichten könnte. Das Graphic Novel ist bei Dark Horse erschienen und kostet 17 US-Dollar. Im Folgenden noch drei Seiten des Comics, sowie eine kleine YouTube Kostprobe des Künstlers. Viel Spaß!
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