Film: 300 (Kino)

Die ersten Ausschnitte von Zack Snyders Verfilmung des Frank Miller Comics “300″ ließen ein brutales Epos mit grandiosen Bildern erwarten. Allein der Trailer war bereits ein audiovisuelles Ereignis der Extraklasse. Aber kann der Film die Atmosphäre des Trailers auch in zwei Stunden abendfüllendem Programm halten? Oder ist man gezwungen eine dünne Story gespickt mit überdimensionaler Härte zu ertragen? Berechtigte Fragen.

Soviel steht fest, “300″ ist brutal. Sehr brutal. Wenn 300 Spartaner auf 10.000 Perser treffen, tun sie dies nicht zum Kegeln. Der Film stellt den Krieg der Antike mit spärlicher Rüstung und eisernem Willen schonungslos dar. In all seiner Härte. Das kann ab und an weh tun. Kompensiert wird die brachiale Gewalt allerdings mit einer nie zuvor da gewesenen Dynamik und, so hart das auch klingt, brutalen Schönheit die einem die Kinnlade in den Schoß fallen lässt.

Es gab in der Vergangenheit eine Menge Filme mit kolossalen Schlachten, aber keines dieser Werke kann auch nur ansatzweise mit dem mithalten was “300″ in dieser Sparte bietet. Untermalt vom grandiosen Soundtrack aus der Feder von Tyler Bates, wohnt der Zuschauer einem audiovisuellen Spektakel bei, das seines Gleichen sucht. Wenn die erste persische Angriffswelle von König Leonidas (Gerard Butler) gestoppt und pariert wird, stehen Augen und Mund weit offen. Wenn die spartanische Minderheit unter ihren Schilden im himmelverdunkelnden Pfeilhagel kauern und in schallendes Gelächter ausbrechen, stehen einem die Nackenhaare zu Berge. Kino mit Gefühl mal anders.

“300″ versucht zu keinem Zeitpunkt eine komplexe Story aufzubauen. Wozu auch, wenn die Tragik des Films mehr zu tragen versteht als so manche an den Haaren herbeigezogenen Verschwörung. Hier kämpfen Spartaner nicht etwa gegen ihren Stolz um wie so oft zu erkennen, dass man das kostbare Leben der falschen Ideologie gewidmet hat. Hier ziehen sie bedingungslos in den Kampf, mit dem Wissen zu sterben, wohl aber mit dem Wunsch in die Geschichte einzugehen, um kommenden Generationen den Mut zu geben, für das zu kämpfen was zählt: die Freiheit.

Und im Kinosaal sitzt man erstarrt in seinem Sessel und glaubt Leonidas und seinen Männern jede im Grunde durch andere Vertreter des Genres noch so abgedroschene Phrase, was auch nicht zuletzt an Gerard Butlers genialer Stimme liegt. Schlussendlich bekommt man das alles in einem völlig neuen Format von Kinofilm serviert. Es gibt viele Filme die spannend sind, Filme die verdammt gut aussehen und Filme deren Dynamik fesselt. “300″ vereint all das und macht es zu einem unvergleichlichen Kinoerlebnis, auf das man in dieser Art wohl wieder sehr, sehr lange warten muss.

Was König Leonidas beim Anblick einer meterhohen Wand persischer Leichen zum Besten gibt, passt wie die Faust aufs Auge auch auf den Film: “A good start!”. Hoffentlich haben in Zukunft auch andere Regisseure dieses neue Kinoformat im Griff. Prädikat: Wertvoll!

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Über Torsten Hartmann

Kind im Mann, Videospieler, Liebhaber von Filmen im Originalton, Grob- und Feinschmecker, Vater.

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