Vom virtuellen Jagen und Sammeln

5 von 7

Sammeln ist eine meiner Leidenschaften. Im realen Leben ein bisschen, in Videospielen extrem. Wenn irgendwo in einem Spiel irgendwelche Dinge, und mögen sie auch noch so unnütz erscheinen, herumliegen und beim Aufsammeln einen Zähler nach oben schnellen lassen, bin ich glücklich. Leider verstehen es viele Entwickler nicht, diesen Drang zu befriedigen.

Wer in Assassins Creed versucht hat, alle Fahnen in Israel und Syrien zu sammeln, stieß spätestens dann an seine Grenzen, wenn nur noch fünf oder sechs übrig waren. Trotz Karte aus dem Internet dauerte meine Suche nach der letzten Fahne Wochen. Aufhören, so dicht vor dem Ziel, wollte ich aber auch nicht. Die Leidenschaft wurde zur Qual. Irgendwann stand die letzte Flagge einfach vor mir. “Siehst du, so wollten wir das” würden da die Entwickler sicherlich sagen. Aber mal ehrlich, ohne die Karten aus dem Netz hätte es sicher zehn mal so lang gedauert, bis ich alle Fahnen zufällig gefunden hätte. Da ist die Luft doch recht schnell raus.

Besser umgesetzt wurde das Sammeln in Grand Theft Auto IV. Hier wurden die versteckte Päckchen der Vorgänger gegen Tauben getauscht, überall in den Straßen und auf Häusern Liberty Citys versteckt. Auch hier ist ohne eine Karte aus dem Internet kaum an ein Gelingen zu denken. Interessanterweise beinhaltet GTA IV ein im Spiel integriertes, eigenes Netz, das wir über Internet-Cafes in Liberty City aufrufen können. Früher oder später stolpert unser Held dann über eine Karte mit den Positionen der Tauben. Perfekt inszeniert. Der Sammler ist glücklich. Der Jäger noch mehr. Vor allen, weil man sich auch dann noch über die Tauben hermachen kann, wenn die Hauptgeschichte des Spiels längst abgeschlossen ist. Das ist wichtig, leider aber kein Standard.

Wer im letzten großen Prince of Persia alle Lichtsamen einsammeln wollte, tat gut daran, dies vor dem Betreten des Tempelareals im Zentrum der Karte am Ende des Spiels zu tun. Ein Zurück und die damit verbundene Möglichkeit alle Samen zu bekommen gab es dann nämlich nicht mehr. Wohl dem, der kurz vorher noch einen Speicherstand angelegt hatte. Ein schwerwiegender Designfehler, denn virtuelle Jäger und Sammler gehen ihrer Tätigkeit am liebsten dann nach, wenn sie wissen, alles andere im Spiel erledigt zu haben.

Im von mir sehr geschätzten Anti-Kriegsspiel Velvet Assassin (Rezension auf Cktc.de folgt) ist es noch viel schlimmer. Da es sich hierbei nicht um eine offene Welt handelt, sind verpasste Schätze der Wehrmacht bereits bei Abschluss eines Levels nicht mehr zu bekommen. Ein Aufsammeln in einem späteren Durchgang entfällt, da dann das gesamte Spiel wieder von Null anfängt. Da entsprechende Erfolge bei der Xbox 360 Version uns Spieler aber ermutigen, alle Schätze zu finden, sind wir gezwungen jeden Winkel des Spiels in all seiner erdrückenden Atmosphäre während eines Durchgangs abzusuchen. Ohne Hilfe aus dem Internet dürfte das für viele ein fast unmögliches Unterfangen sein. So macht Sammeln leider keinen richtigen Spaß.

Mirror’s Edge hat es besser gemacht. Wer die versteckten Koffer nach dem ersten Durchspielen nicht alle sein Eigen nennen konnte, hatte entweder bei den nachfolgenden Durchgängen die Augen weiter nach hinweisgebenden Graffitis offen gehalten oder wählte gleich die Kapitel mit fehlenden Koffern einzeln an. Hier wird alles Modi-übergreifend global gezählt. Auch eine Möglichkeit und keine schlechte.

Bei Fable II tun die überall auf der Welt versteckten Gargoyle selbst ihr bestes, von uns Spielern gefunden zu werden. Sie beleidigen uns auf äußerste, befinden wir uns in ihrer Nähe. Damit aber nicht genug, hält uns das Spiel für jede Gegend auch noch auf dem Laufenden, was die Anzahl der gefunden und nicht gefundenen Steinwesen angeht. Das gilt netterweise auch für die silbernen Schlüssel, die es ebenfalls zu sammeln gilt. Herrlich.

Manchmal, wie etwa im aktuellen Spiel Prototype, ist Sammeln für einzelne Personen (ich zähle mich hier dazu) der einzige Spaß im Spiel. Und ach so leicht ist man wieder einmal von der eigentlichen Geschichte abgelenkt. Dann, wenn man lieber von Haus zu Haus springt, auf der Suche nach Sammelgegenständen, anstelle hässliche Infizierte in einen Klump aus Blut und Gedärme zu schlagen. Igitt, ich will doch bloß sammeln.

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Über Torsten

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