Ich gehe eher selten zum Arzt. Sehr selten. Mal abgesehen vom Zahnarzt und meinem Allergologen, einmal im Jahr, sieht mich die Zunft kaum. Dummerweise ereignete sich bei einem Konzertbesuch im schönen Hamburg ein kleiner Unfall mit Folgen, die einfach nicht von selbst heilen wollten.
Dabei ist mir lediglich ein aufgedrehter Konzertbesucher, hoffentlich unbeabsichtigt, auf den Fuß gesprungen. Besser gesagt auf den großen Zeh. Nicht weiter schlimm. Das Konzert konnte ich noch ohne weiteres bis zum Ende genießen.
Danach wurde es schon etwas brenzliger. Der große Zeh tat unheimlich weh und Laufen ging nur mit Einschränkungen. Hat mich natürlich erstmal nicht weiter gestört. Nachts zu Hause angekommen offenbarte sich dann die Katastrophe in ihrem ganzen Ausmaß. Der großer Zeh war unter dem abgebrochenen Nagel herrlich tiefschwarz. Lecker!
Ich habe dann erstmal einfach gar nichts gemacht und drei Wochen abgewartet …
Weil der neue Nagel dann leider eingewachsen war und das satte Schwarz immer noch nicht weg war, hatte ich mich dazu durch gerungen einen Arzt aufzusuchen. Direkt zum Chirurgen ist ja nicht mehr, also wurde fix ein Allgemeinmediziner aufgesucht.
15.00 Uhr: Ankunft in der Praxis ohne Termin. 18:00 Uhr: Einlass ins Behandlungszimmer …
Dann ging alles recht schnell. Der Arzt kam herein und drückte mit voller Wucht auf den Zeh um an meiner erstaunten Reaktion zu erkennen, dass dieser wohl eingewachsen war. O-Ton: “Ist eingewachsen. Da müssen wir einen Trennschnitt machen, um den Druck wegzunehmen”
Alles klar. Alles egal. Hauptsache die Schmerzen sind weg.
“Es gibt jetzt einen kleinen Pieks.” Wie süß. Einen Moment überlegte ich, ob ich bei einem Kinderarzt saß. Wohl nicht. “Man könnte das ganze auch betäuben, aber dann wären es zwei Piekser.” Das sind die Momente, in denen es sich nicht lohnt ein Mann zu sein. “Nö, dann lieber gleich so”, sage ich und denke, der ist Arzt, der weiß was er tut und was er seinen Patienten zumuten kann.
Ich erwartete also ein Skalpell, bekam aber eine Schere zu Gesicht, mit der man meiner Meinung nach Mullbinden oder einen alten Gips aufschneidet. Leichte Nervosität machte sich in mir breit. Die war wie weggeblasen als der Arzt mir mit der Schere in das entzündete Nagelbett unter den Nagel stach. Toller Schmerz, wirklich!
Ich habe daraufhin meinen Fuß ein Stück weggezogen. Der Arzt hat ihn sich wiedergeholt und mir mit der Schere ein Drittel des Nagels keilförmig heraus geschnitten. Ich weiß nicht, wie viele Schimpfwörter es waren, die ich angespannt in den Raum abgelassen habe, aber es waren einige. Leider war der Nagel hinten am Zeh noch recht gut verwachsen und so musste der Arzt noch ein wenig hin und her ziehen um auch das letzte Stück herauszubekommen. Mein Skala für Schmerzempfinden hatte sich in der Zwischenzeit um fünf mir vorher unbekannte Stufen erhöht. Vielleicht auch sechs.
Um 18:10 Uhr hatte ich bereits einen Verband um den Zeh und von dem Arzt fehlte jede Spur. Wow. Ich humpelte hinaus aus der Praxis vorbei an einem Dutzend verschreckter Gesichter. Jedes repräsentierte ein anderes der Schimpfwörter die ich kurz zuvor etwas lauter an die Luft gelassen hatte.
Im Auto wurde mir dann klar, dass ich einen handfesten Schock hatte. Ich kämpfte also 30 Minuten mit der Übelkeit und fuhr dann nach Hause. Übrigens ohne Schmerzmittel oder irgendeinem anderen Rezept. Warum auch. War nämlich gar nicht nötig, denn meine Schlaflosigkeit in der folgenden Nacht lag nicht etwa an den Schmerzen im Zeh, sondern eher an dem Bild der Schere in meinem Kopf, die in mein Fußbett stach.
Hostel? Das ich nicht lache …
Ähnliche Artikel auf Dons Welt:
Neulich an der BarNeulich in der Bronx …
Diary of a Madman: Neulich, in der Laguna Presa



Argh… mir ziehen sich die Eingeweide zusammen. Alles Gute für deinen großen Onkel. P.S. Tarantino ist nichts gegen dich.
Ich finde, das Bild erinnert leicht an das Leichentuch von Aquin.
Das Tuch auf dem mein Fuß “fixiert” wurde, sah viel geiler aus. Komplett rot bis auf ein weißer Abdruck meiner Fußform :P